_nicht die Ursache für deine Gewalt | _mein eigenes Schlachtfeld | _mir lieb | _mein Werkzeug | _meine Spielwiese | _ _ _

Mutter(un)Glück

Als vor einigen Wochen mein monogames hetero-bald-wollen- wir- Kinder- Kartenhaus ziemlich plötzlich und für mich unerwartet zusammen fiel, hatte ich gefühlt zwei Möglichkeiten:

Schnell ein neues Kartenhaus bauen, mit einem Bauleiter, der besser zu mir paßt – oder mir die Bauzeichungen selbst mal anschauen, mit den Architekten (ohne innen) und Bauzeichner*innen reden und am Ende selbst meine Entwürfe zeichnen. Ich entschied mich für Möglichkeit Nummer zwei. Mit dem Risiko, das Haus gegen eine Wohnung einzutauschen und auf eigene Kinder (vorerst) zu verzichten und auch, um eventuell fest zustellen, dass ich eigentlich gar nicht an ein Leben als Frau _von oder Tochter _von oder eben Mutter _von interessiert bin und außerdem viel lieber eine Bauleiterin als einen Bauleiter an meiner Seite haben möchte und ab und zu auch einfach mal Wohnungen wechseln ganz aufregend finde.

Jetzt bin ich schon einige Wochen auf meiner eigenen neuen Großbaustelle. Ich muß immer noch viel Schutt beseitigen und habe staubige Wimpern und rissige Hände. An manchen Tagen frage ich mich, warum ich eigentlich immer so schmerzhaft aus meiner Comfort Zone rauspresche und mich nicht einfach wie alle anderen auch (sic!) mit dem zufrieden geben kann, was die Biologie aka das Patriarchat für uns vorgesehen hat.  Es ist wohl immer mal wieder nötig zu erwähnen, das Aktivismus und Herrschaftskritik kein Hobby sind, sondern notwendiger Alltag für Menschen, die negativ von –ismen betroffen sind.

Also damit wir uns verstehen: das schmerzt grad alles ziemlich, dieses Hinterfragen und Dekonstruieren und Feststellen, dass das und das und das irgentwie nicht grad zu passen scheint. Für mich. Heute. Was morgen ist, weiß ich nicht. Und alle möglichen Bauleiter*innen geben mir liebevoll zu verstehen, „Da mußt du jetzt alleine durch.“ Muß ich auch. Will ich auch.

Ich will mich bewußt für das Leben entscheiden, das ich vorhabe zu leben. Und dafür brauch ich Klarheit. Klarheit was die Menschen meinen, wenn sie mich fragen:

Und, wann ist es bei dir/euch soweit?, Du wärst sicher eine tolle Mama

oder best one:

Ach wart mal ab, du hast nur noch nicht den Richtigen (sic!) gefunden.

Fremdbestimmung go fuck yourself!

Worüber wollte ich noch mal schreiben? Ach ja über Mutterschaft.

(Und Anna Schwelle fragt: Di Hia wo ist eigentlich deine Wut? Du bist doch wütend, oder?)

hier hatte ich schon ne menge geschrieben. das lösche ich jetzt.

Ja, ich bin wütend. Ich bin verdammt wütend und möchte hier und da einige Rahmen_bedingungen und Fertig_bauhäuser zerstören und laut schreien:

Dass ich mich gerade so einsam und verlassen fühle, ist teil eures scheiß plans! Ihr (you know who you are) wollt, dass frauen sich so unsicher und falsch fühlen! Damit wir am ende doch in die knie gehen vor haus und hof und kind und mann. Patriarchat, du miese kleine Scheißhausfliege! ich dachte die ganze zeit, dass is hier so voll das individuelle ding – ey aber ne! das betrifft nicht nur mich, sondern meine grübelei ist ergebnis eurer gewollten asymmetrie in dieser welt! fick das! und ich bin nicht in dieser situation weil ich Di Hia bin, sondern weil ich eine frau bin. und solche momente teil der lebensrealität von frauen sind.

Es gehört zu meiner Lebensrealität als Frau, dass ich mir früher oder später gedanken über kinder kriegen mache. und es gehört auch dazu, dass sich gott und die welt ebenfalls dazu äußert.

welcher mann muss sich denn bitte so über vaterschaft gedanken machen, wie wir frauen über mutterschaft? alta! mutterschaft und der wunsch nach autonomie und individualität….in einer gesellschaft wo eben hinter jeder ecke eine neue abhängigkeit, fremdbestimmung und andere scheiße lauern. welcher vater muss sich ernsthaft gedanken über seine berufliche karriere und die vereinbarkeit mit der vaterrolle machen? Vaterschaft als Institution existiert doch nicht einmal!

I wonder why…..

Boah.

schreibblockade. oder schrei_blockade?

denkblockade.

teil des spiels.

zurück zum start.

karten neu mischen.

ey und trotzdem: immer wieder hab ich solche momente, in denen ich mir nichts sehnlicher wünsche als so eine bilderbuchfamilie. als ob mein glück davon abhängen würde. aber ich hab das noch so drin.  mein leben hat nur wert, wenn ich dieses bilderbuchleben kriege.

nein.

denn

  1. ich bin mir selbst am wichtigsten. meine beziehung und liebe zu mir zählt mehr als alles andere.
  2. beziehungen sind wichtig und schön. wie diese beziehungen sein sollen, bestimmen nur die involvierten personen.
  3. ich bin die hauptdarstellerin in meinem film. it’s all about me. not about you. ihr habt neben _rollen in meinem film und ich in eurem. und das ist ok. wir sind unsere eigenen hauptfigur, der rest ist deko.

Je intensiver ich mich auf dieser Baustelle aufhalte, desto stärker werden meine feministischen Kritiken und ich empfinde es als notwendig bestimmte Antworten auf meine Fragen einzufordern.

Bei meiner Recherche zum Thema Mutterschaft stoße ich auf diesen Blogeintrag und dieses Zitat hallt seit Tagen in meinem Kopf:

pregnancy does not belong to the woman herself

Genau, denke ich mir. Mutterschaft ist keine Privatsache, sonder pure Politik und lese weiter:

Die Schwangerschaft gehöre nicht der Frau selbst, weil sie nur als passive Hülle für den Fetus objektiviert werde und weil die Medizin die Schwangerschaft allein als Prozess konzipiere, der latent pathologisch sei und deswegen mit technischen Instrumenten überwacht werden müsse. Auf diese Weise werde die Frau von ihrem Körper entfremdet und ihr Empfinden abgewertet.

Mutterschaft ist ein Konstrukt, das unter hegemonialen Gesellschaftsverhältnissen propagiert wird und ich frage mich wie einzelne Mütter sich etwas Privatsphäre in diese fremdbestimmte Rolle bringen können. Ich denke an meine wunderbaren Freundinnen, die Mütter sind (eine davon bloggt schönerweiseweise auch seit kurzem). Ich frage mich, wie ihr das schafft mit dieser internalisierten Rolle umzugehen ohne durchzudrehen. As far as I can tell, macht ihr das toll. Aber was weiß ich schon, wie der Alltag für euch, besonders die Alleinerziehenden aussieht. Ich weiß nicht wie das für euch ist, wenn ihr von Menschen beurteilt werden, die sich für die Mutterpolizei halten. Ich weiß nicht mal, ob ich selbst zu euch manchmal so bin, als würdet ihr “nur”noch aus der Mutterschaft bestehen. (Was soll das denn überhaupt sein, “nur” noch Mutterschaft…) Denn neben Mutterschaft gibt es eben noch so viel anderes was euren Alltag bestimmt.  Genauso stell ich mir das vor, als Mutter muss ich immer klar haben, dass meine Handlungen von der ganzen Gesellschaft beobachtet und beurteilt werden……

Wie schaffe ich die Gratwanderung zwischen sein und Mutter sein? Ich kann mich dafür entscheiden, dass es mir egal ist, was Menschen von mir denken aber welche Auswirkungen hat das auf mein Kind?

Die Fragen stellt sich sicherlich nicht nur die Autorin von me, myself & child.

Mutterschaft wirkt auf mich momentan aber alles andere als erfreulich, sondern eher bedrohlich. Ich bin wohl auch nicht die einzige, die sich Fragen zu dem Thema stellt. Wie ich u.a. hier und hier lese.

Und bei meinen Gedanken zur praktischen Umsetzung Familie vs. Beruf stoße ich hier  auf folgendes Problem:

Gäbe es da nicht dieses konservative “Ideal” der Gestaltung der Mutter-Kind-Beziehung, das permanent an mich herangetragen wird. Es kommt ungefähr so daher: nach einer “natürlichen” (=vaginalen) Geburt, wird das Kind solange gestillt (und getragen) wie das Kind (und der Mann und das restliche Umfeld) das möchte. Mama (und bitte nur Mama) bleibt zumindest bis zum dritten Lebensjahr des Kindes “zuhause” (=erwerbsarbeitet nicht). Wenn es das Einkommen des “Alleinverdieners” ermöglicht, gerne auch länger. Abweichungen von diesem Ideal müssen entweder mit Not entschuldigt (“Ich muss arbeiten, wir können uns das sonst nicht leisten”) oder permanent gerechtfertigt werden.

Eine andere Bloggerin spricht die ungleichbehandlung bei der kinderbetreuung an:

In vielen traditionellen Familienkonstellationen (Vater, Mutter, Kind) ist es der Mann, der einer (ganztags) Erwerbsarbeit nachgeht. Ihm steht entsprechend einer konservativen Auffassung von Arbeit auch Erholung zu. Der Grundirrtum liegt dabei in der Definition von Arbeit, die in den Köpfen vieler nach wie vor die unbezahlte Reproduktionsarbeit nicht miteinschließt.

Uff. Also noch mal: so verlockend klingt Mutterschaft grad nicht. es macht mir angst. aber ich kann die angst nicht richtig filtern. habe ich vielleicht auch angst, nicht die person zu finden, die mutterschaft mit mir doch zu einem tollen traumhaus zaubert? kann ich es schaffen, mir selbst diese person zu sein?

ich glaube einfach….da liegt einiges im argen. und ich glaube, dass unsere frauen- und mutterfeindlichen strukturen und umgangsformen die luft ziemlich verpesten.

und ich kann euch versichern, dass wenn sich nicht einiges ändert, werden wir in nicht all zu langer zeit many angry women haben, die das patriarchat unschön zu grunde richten werden. mich inklusive.

Und ich frage mich ja, ob mutterschaft und feminismus zusammen passen. nein, als feministin solle ich mich wohl eher fragen: warum sollte diese wahl einer frau NICHT ins feministische konzept passen?

Melanies Gedanken dazu finde ich auch spannend:

Drei Punkte, die ich für eine feministische Mutterschaft wichtig finde:
1. Sich kein X für ein U vormachen lassen!

2. Naivität kann sich keine leisten.

3. Statt das eine Muttermodell über das andere zu stellen, gemeinsam gegen die politischen und gesellschaftlichen Zustände stellen.

Eine Freundin von mir hat mir auch klar ihre Meinung zum Thema Mutterschaft gesagt:

  • Familienstrukturen und -bände sind Orte von (sexualisierter-) Gewalt gegen Frauen, diese Orte müssen eingegrenzt werden und re_produktion ungleicher Machtverhältnisse gehören bekämpft

  • Die Entscheidung gegen eine Mutterschaft ist eine Art des Widerstand, der als notwendig und konsequent gegen frauenfeindliche Strukturen verstanden werden kann.

  • feministische Mutterschaft kann nicht existieren.

  • In einem misogynen Unterdrückungssystem ist die Entscheidung zur Mutterschaft niemals wirklich freiwillig.

Puh. Und jetzt?

Ist eine verweigerte Mutterschaft am Ende doch der beste widerstand? Sollte ich das Thema Mutterschaft vielleicht einfach abhaken und auf dem Bauplan das Kinderzimmer in eine Bibliothek verwandeln?

Ich finde Kinder wirklich toll. Mein Herz wird warm und aufgeregt wenn ich Kinder um mich habe. Wo kommen diese Gefühle her? Hab ich diese ganze Frau sein = Mutter sein Rolle so sehr internalisiert, dass meine Gefühle mir etwas kommunizieren, was ich vielleicht doch gar nicht will?

Welche überlebensstrategie tut mir gut? Welchen Lebensentwurf möchte ich?

Wenn ich Kinder so klasse finde, könnte ich doch in einem Berufsfeld arbeiten, wo ich sie um mich habe? Ist Mutterschaft der einzige Weg? Die Rolle der Tante klingt nach dem ganzen Lesen eigentlich auch verlockend. Und so lange ich so tolle Kids wie Ms. T. z.b um mich haben kann, ist eh alles gut.

Unsere Entscheidungen sind politisch und werden dem entsprechend hart beurteilt. mutterschaft ist ein thema über dass sich die ganze welt auslässt, weil es uns frauen betrifft. weil frauen und ihre körper als ob unser frau sein und unsere körper voneinander unabhängig wären…also noch mal: weil frauen allgemeingut und thema sind. weil mit uns die welt steht oder kippt. weil unsere entscheidungen top oder flopp bedeuten. stellt euch bitte mal die energie vor, die wir frauen ins leben rufen können, wenn wir uns dieser ganzen scheiße (Fremdbestimmung) verweigern würden! seriously!

Eben Spinat-Dattel Smoothie machen. Puh. Einatmen.

Ich werde wohl heute nicht zur ganzen Antwort kommen. Ich weiß auch nicht genau, was mich gerade so auf die palme bringt: mutterschaft oder die tatsache, dass mein leben gerade von verliebt zu verlobt zu sitzen gelassen gesprungen ist.

Eine Mischung?

Nach dem lesen der ganzen bestehenden Gedanken zur Mutterschaft wünsche ich mir, dass ich es schaffe allen Müttern um mich meine Solidarität zu kommunizieren. Meine Bewunderung und meine Solidarität dafür, dass sie sich für diese Rolle entschieden haben und damit eine Reihe von Verletzungen und Asymmetrien im Alltag in kauf nehmen. Alle virtuellen Daumen und auch die echten gehen hoch für euch, dass ihr euch für ein Leben mit Kindern entschieden habt.

Ebenso gehen alle Daumen hoch an diejenigen unter euch, die sich gegen eine Mutterschaft entschieden haben oder entscheiden mussten. Auch euch spreche ich meinen vollen Support aus!

Und auch die Frauen, die sich nach der Geburt für eine Adoptionsfreigabe entscheiden oder im laufe der Mutterschaft merken, dass diese Rolle ihnen nicht passt.

Was ich schön fände, wäre ein Austausch über nicht_ Mutterschaft. Unter Frauen, versteht sich.

Was brauchen wir, um selbstbewusst mehrere Rollen miteinander zu vereinen?

Noch mal Helm auf und ab auf die Baustelle. Ich merke, da gibts noch einiges zu tun. Schon n krasses Projekt was ich mir da ausgesucht hab. I was pretty fine before I heard about feminism, u know?! Ich glaub ich zieh mich jetzt etwas zurück. Ich hab unbebautes Land, einen Garten zu bepflanzen und außerdem bin ich ziemlich gut im Luftschlößer bauen.

Ich vermute, dass ich das Konzept von Highheels hassen und sie dennoch mein Leben lang tragen kann. Und ich kann das Konzept der Mutterschaft in frage stellen und trotzdem mutter werden.

remember: don’t hate the player – hate the game!

und in patriarchalen strukturen sind wir frauen eher die player und sollten uns nie gegenseitig dissen.

ich hoffe das wird hier klar: ich kritisiere nicht eure wahl, ich kritisiere ein konzept.

von Di Hia

Advertisements

5 Comments on “Mutter(un)Glück”

  1. Esthi says:

    Hallo!
    Ich gebe Dir Recht: Die Suche nach individuellem Glück ist unter den Bedingungen des (Post-)Patriachats nicht einfach. Es gibt ein riesiges Potential die Nahbeziehungen zu vergiften, zu Partner/in, Kindern, Eltern… Du hast grade eine Nahbeziehung hinter Dir, die Dich verstört hat. Ich dagegen habe zum Beispiel mehrere Arbeitsbeziehungen hinter mir, die mich verstört haben. Die mir deutlich gezeigt haben, wie tief das Erwerbsleben noch durch patriarchales Denken und hegemoniales Denken vergiftet wird. Diese Erfahrungen haben mich wirklich an die Grenze meiner psychischen Belastbarkeit getrieben. Haben mich gezwungen meine beruflichen Ziele komplett zu überdenken. Und bisher hat dieses ganze Denken mir noch keine Ausweg offenbart.
    Deswegen finde ich vor allem das, was Deine Freundin zum Thema gesagt hat ziemlich irreführend:
    “Familienstrukturen und -bände sind Orte von (sexualisierter-) Gewalt gegen Frauen, diese Orte müssen eingegrenzt werden und re_produktion ungleicher Machtverhältnisse gehören bekämpft” –> stimmt, das können sie sein. Das gilt aber für alle gesellschaftlichen Bereiche, denn der Geschlechtsdualismus durchzieht nun einmal im Grunde unsere gesamte Gesellschaft: unsere Körper und wie wir sie wahrnehmen, die Unterteilung in öffentliches und privates Leben und wie diese gemeinhin gestaltet werden, die Marktwirtschaft, die Politik, das Rechtssystem, die Sprache, die Wissenschaft, die Bildung… Familie ist nur einer von vielen sozialen Orten der Re_produktion von Geschlecht und Machtungleichheit und er ist mit allen anderen untrennbar verbunden.
    “Die Entscheidung gegen eine Mutterschaft ist eine Art des Widerstand, der als notwendig und konsequent gegen frauenfeindliche Strukturen verstanden werden kann.” –> Nun ja, dann wäre ja eine Entscheidung gegen Erwerbsarbeit das doch auch. Schließlich zeigen Analysen, dass die marktförmige Arbeitswelt meist selbst dort Geschlechterdualismen (und damit verbundene Ungleichheiten) reproduziert, wo sie vermeintlich als geschlechtsneutral gilt. Mal ganz abgesehen davon, dass Frauen, die in Männerdomänen eindringen oft ganz erheblich (sexualisierter-) Gewalt ausgesetzt sind.
    “feministische Mutterschaft kann nicht existieren.” –> ergo: Feminismus kann nicht existieren, denn wenn ich eine Frau bin bzw. als eine wahrgenommen werde, dann bin ich quasi überall mit den damit verbundenen Wahrnehmungsmustern, Strukturen, Vorurteilen, Machtungleichheiten, Unterdrückungsmechanismen etc. konfrontiert und komme im Alltag oft nicht daran vorbei, sie ebenfalls mit zu re_produzieren. Bereits sobald ich mich entscheide in meinem öffentlichen Auftreten als Frau erkennbar zu sein, ist dies der Fall.
    “In einem misogynen Unterdrückungssystem ist die Entscheidung zur Mutterschaft niemals wirklich freiwillig.” –> Aber die Erwerbsarbeit ist freiwillig? Für die allermeisten in unserer Gesellschaft wohl nicht. Unterliegen Frauen auf dem Arbeitsmarkt keinen sexistischen Strukturen? Ich finde schon. Man kann die große Bereitschaft von Frauen sich der Mutterschaft zu widmen nicht verstehen, wenn man nicht gleichzeitig in den Blick nimmt, wie es mehr als genug Frauen im Erwerbsleben geht. Und ich habe ehrlich gesagt mehr als genug davon, dass “DEN Frauen” ständig in den Medien, von Männern und anderen Frauen vorgehalten wird, was “DIE Frauen” im Berufsleben alles falsch machen und wie sie sich angeblich selbst im Wege stehen, weil sie die -falschen Fächer studieren, -Mutter werden, -Elternzeit nehmen, -zu schüchtern sind, -ihre Leistungen nicht angemessen darstellen, -nicht wettbewerbsorientiert genug sind, -sich nicht durchsetzten können und so weiter und so fort.

    Ganz ehrlich finde ich es sehr problematisch, dass ein nicht unerheblicher Anteil von sich selbst als “feministisch” verstehenden Aussagen sich massiv an der Abwertung des “Weiblichen” beteiligen. Eine Aussage wie, ‘feministische Mutterschaft kann nicht existieren’ tut das. Der Tenor der Aussagen Deiner Freundin ist: eine Frau die Mutter ist, ist eine Kollaborateurin des Patriarchats. Aber mal ganz im Ernst: Wenn keine Feministin Kinder bekommt, dann wird die elterliche Kindererziehung vollständig den Nicht-Feministinnen überlassen. Welchen Beitrag soll das für eine feministische Zukunft leisten? Denn dass die Probleme des (Post-)Patriarchats nicht innerhalb von einer, zwei oder drei Generationen gelöst werden kann, sollte wohl inzwischen offensichtlich sein.

    Männlichkeit und Weiblichkeit sind in unserer Kultur hierarchisch strukturiert, das heißt, Weibliches wird gegenüber dem Männlichen als weniger wertvoll angesehen. Die Unterdrückung der Frauen wird durch die Kulturen des Männlichen und Weiblichen gefestigt. Aber meiner Meinung nach kann die Lösung des Problems nicht sein alles, was als Weiblich gilt, auszurotten. Denn was bliebe dann übrig? Eine bessere Gesellschaft, in der wir alle glücklicher wären? Vielmehr muss es das Ziel des Feminismus sein, sich für die Rechte von Frauen und für die Anerkennung von Weiblichkeit einzusetzen. Das ist keine leichte Aufgabe, weder im Privaten (ob mit oder ohne Kinder) noch im Erwerbsleben (sei es ‘arbeitslos’, Teilzeit- oder Vollzeit arbeitend).

    Und ich glaube, wir machen es uns alle etwas einfacher, wenn wir anerkennen, dass Feminismus mit komplizierten, komplexen, anstengenden Aufgaben verbunden ist, die uns zudem eine Menge Geduld, Ausdauer und eine dickes Fell abverlangen. Wenn wir nicht so tun, als könnte ja alles sooo einfach sein, denn wir müssten ja nur wollen. Nee, so ist es nicht. Es geht um teilweise Jahrtausende alte Traditionen, um fest verankerte Strukturen. Selbst wenn wir uns die größte Mühe geben, werden den nachfolgenden Generationen noch immer genug Aufgaben bleiben. Wir alle, die wir an das Projekt Feminismus glauben, werden uns bemühen. Aber wir sollten nicht zu streng mit uns sein und uns freuen, über das, was bereits erreicht wurde. In diesem Sinne: Gutes Schaffen.

    • Liebe Esthi,

      vielen dank für deinen input! das ist eine sehr schöne ergänzung und lässt sich total gut in zukünftige überlegungen mit einbeziehen! die problematik die du bei den ausführungen meiner freundin siehst, kann ich gut nach vollziehen. da geh ich auch mit. besonders danke ich dir für diesen satz “Aber wir sollten nicht zu streng mit uns sein und uns freuen, über das, was bereits erreicht wurde”, der tut gerade richtig gut und macht mut! beste grüße und wir bleiben dran 🙂 Di Hia

  2. Katharina says:

    Bei aller Reflektion ist Mutterschaft etwas, das eine nicht im Kopf entscheiden kann. Diese Hormonsache haut eine total von den Füssen, da bleibt kein Stein auf dem Anderen. Deshalb muss man schliesslich einfach entscheiden ob man will oder nicht will. Mal so halb ausprobieren geht nicht.
    Was ich eigentlich nur schnell sagen wollte: Wenn Dir die Erfahrung wichtig ist, dann mache sie. Es geht auch ohne dieses “Gesamtpaket”, das uns die Gesellschaft als nötige Voraussetzung verkaufen will. Einfach wird es so oder so nicht und ob es sich für eine selber gelohnt hat, weiss sie erst hinterher. Aber lieber alleine ein Kind grossziehen als denken, man wäre zu zweit aber sich dann auf den Partner nicht 100% verlassen können.
    No Risk, no fun!

  3. […] Ich. Hab ich nicht noch vor einigen Wochen ziemlich gegen das ganze gewettert? Da hätt ich mal meinen Mund nicht so weit aufreißen […]


Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s