_nicht die Ursache für deine Gewalt | _mein eigenes Schlachtfeld | _mir lieb | _mein Werkzeug | _meine Spielwiese | _ _ _

Geht das nicht ein bisschen schnell? Über Zeit und andere Faktoren

Was ist eigentlich Zeit?

El O El

In Lie_Bes_ziehungen ticken diee Uhren anders.

Ich verliere mein inneres Zeitgefühl, die Zeitunterschiede und gebe allem eine neue Bedeutung. Je nach dem mit wem ich diese Beziehung eingehe definieren wir für uns neue Maßstäbe. Zeit ist relativ. Zeit ist relativ un_wichtig in Beziehungen zu mir und meiner Umwelt.

Es gibt Beziehungen, da macht Zeit mach ich mir Angst

nach so langer Zeit solltest du mich aber besser kennen

wie kann das sein, dass du das immer noch nicht verstanden hast

wie kommt es, dass du dss jetzt erst machst

wie kannst du mich nach so langer Zeit hier alleine lassen

wir hatten doch so eine schöne Zeit

wie viel Zeit brauchst du noch

nimm dir die Zeit die du brauchst

Zeit heilt alle wunden

Zeit ist geld

Zeitvertreib

Zeitverlust

Zeitspanne

Zeitarbeit

Zeit Zeit Zeit

Ich hab mal drei Jahre damit verbacht zu warten. Ich hab gewartet, dass mein Exfreund aufhört sich täglich mit schlechtem Gras die Birne wegzuballern. Gewartet, dass er sich für ein super kitschiges Zusammensein mit mir entscheidet. Morgens aus dem Bett kommt und ein perfekter vorzeige Boyfriend wird. Ich war 15 er 16.

Dann hab ich noch mal ungefähr drei Jahre damit verbracht, mir eine lösung für folgende Situation zu überlegen: Neue liebe neues glück. der neue super sweete boyfriend neigte dazu, mir unter dem tisch kleine tritte zu versetzen um mir klar zu machen, dass er keine lust mehr hat bei meinen freund_innen abzuhängen. die tritte taten weh. als ich mich gelöst habe hat es monate gedauert bis er sich beruhigt hat. ein mal kam ich morgens in die fh und der arsch hatte den ganzen eingangsbereich zugetaggt. und mein fahrrad. und meine haustür. nur damit ich mit der zeit nicht vergesse, dass er mich wirklich liebt und so. Ich war 21 er auch

Die letzte lange Zeitspanne macht wouhouuuuu 6 jahre aus.Davon hab ich gefühlte 15 jahre versteckt in einem riesen haus verbracht. 33 Jahre hab ich gewartet bis wir zusammen ziehen und nach 3 minuten gemerkt: never gonna happen. Da war ich 27 er 28

Die Zeitangabe hier ist natürlich quatsch.

Sich zeit nehmen. sich kennen lernen. Zukunft planen. sich verletzen. sich enttäuschen.

Sich lösen von Zeit.

Morgen morgen nur nicht heute…..

Was du heute kannst besorgen…entsorgen

Also was ich sagen will: manchmal liegt es nicht unbedingt an zeit dass die dinge nich klappen.

Es kann mich jahre “kosten” bis ich merke, dass dieses und jenes vielleicht doch nicht für mich gemacht ist.

Und manchmal….ja manchmal da reicht ein kurzer moment um etwas klar zu haben.

Zu merken: das geht nicht gut.

oder

Das geht gut.

Ich schreibe hier von klassischen 2-er Heterobeziehungen –  dass ist das einzige muster zu dem ich meinen senf dazu geben kann. für den rest hab ich zu wenig erfahrung. Kann mir aber vorstellen, dass meine These  mit der Zeitbubble nicht nur klassische Beziehungen trifft.

Viel zu oft hab ich schon gedacht, dies mal ists für immer. und immer hab ich dabei ziemlich klar, dass immer ebenso ein zeitfenster ist wie ein jahr, ein tag etc.

Ich liebe dich jetzt erstmal für immer

sing Lydia Daher leise im Hintergrund und macht mir ein angenehm sicheres gefühl.

ich glaub es ist okay menschen ab und zu für immer zu lieben.

wenn menschen sich neu verlieben passieren spannende dinge im umfeld. ich kenn das selbst von mir. ich bin eine löwinnenfreundin. ganz genau schau ich mir die neue person an der seite meiner lieben an. bin skeptisch. mach mir sorgen. trau dem ganzen nicht.

tja. pech gehabt. denn. manchmal.geht.alles.ganz.schnell.

nicht zu schnell. aber schnell.

manchmal verstehen wir nicht in welchen zeitzonen die anderen sich bewegen. manchmal leiden wir unter zeitverschiebung. haben einen jetlag. manchmal geht alles einfach ruck zuck. keinen bock zu warten. momente genießen. alle konsequenzen in kauf nehmen. zeit austrickses konventionen brechen.

ich leg die uhren ab. ich lausche dem rhythmus meines atems. achte auf meinen puls. versuche eine verbindung zwischen herz und kopf zu flicken. wunden entgültig zu schließen. narben gut zu pflegen. mich zu schützen oder eine mauer zu errichten.

mich um mich kümmern. baustellen in sommerpause schicken. in den ruhestand. mir einen ort schaffen, der mir gut tut.

es fühlt sich gut an grad. ich mach das jetzt. let’s have a party.

P.S.: Eigentlich müsste hier noch eine ganz riesen Zeile zu Freund_innenschaften und Zeit hin. Das kommt dann noch….

Di Hia


“Was wollen Sie eigentlich an der Universität?”

Ja, gute Frage, das frage ich mich auch manchmal. Besonders nach einem Gespräch, wie ich es kürzlich mit der Bewerbungskommission des Graduiertenkollegs [wo 1 ihre Doktorinnenarbeit schreiben und kann, und dabei auch noch Geld in Form eines Stipendiums bekommt], bei dem ich mich beworben hatte, geführt habe. Ich war eh überascht, dass sie mich dazu eingeladen hatten, damit gerechnet hatte ich nicht. Umso “schöner” [Ironie], dass einer der interviewenden Personen (15 waren es an der Zahl: 15!!) die Paradoxie des Ganzen auch aufgefallen ist: Ich kritisiere die Uni, den Wissenschaftsbetrieb und das Was, Wie und überhaupt von Auswahlverfahren, und TROTZDEM habe ich die — Dreistigkeit, Inkonsequenz, Inkohärenz, was ist es? — mich an einer Uni für ein Stipendium für meine Doktorinnenarbeit zu bewerben. Ja, was will ich da eigentlich?

[Daria:] Don’t worry, I don’t have low self esteem. It’s a mistake. I have low esteem for everyone else.

Was hier berührt wird, ist ja eine der Grundfragen, wenn 1[1] Politik betreibt. Nach der Logik dieses Menschen (Mackers, ähem), der mich da angegriffen hat, dürfte ich ja nirgendwo mehr dran teilhaben. Ich hab nämlich eigentlich immer was zu meckern. Und ich lerne grad, das auch immer (wo’s nicht gefährlich ist/erscheint) zu äußern. I’m a feminist killjoy. Das steht sogar so in meinem Profil bei OKCupid. Damit sich nachher k1[2] beschweren kann. Muss ich mich jetzt also aus allem raushalten, aus allem zurück ziehen, nur weil ich Einiges[3] von dem Scheiß, der überall passiert, sehe und aus_an_spreche? Nö. Change from within, ist halt der eine Ansatz. Der andere wäre: Destroy everything. Ja, ich geb’s zu, ich finde den zweiten Ansatz sehrsehr verlockend. Deswegen wird mir aus dem Freundin*enkreis ja auch hin und wieder vorgeworfen, ich sei so “radikal” geworden, so “extrem”.  Aber da ich jetzt doch auch wieder nicht mit Bomben werfen möchte (obwohl ichs verstehen kann, wenn 1 das möchte), bleibt mir vielleicht doch nur der Change From Within-Part. Ich will von innen am Elfenbeinturm kratzen, bis die Mauer einbricht, verstehen Sie? Herr wie-auch-immer-er-hieß. Die Wissenschaftspraxis besteht halt (zu einem großen Teil — Ausnahmen gibt’s immer) tatsächlich immer noch darin, ÜBER Menschen zu sprechen und nicht MIT Ihnen[4]. Das geht sogar so weit, dass Wissenschaftler*innen sagen: “Ich will doch nicht mit denen reden!”. Dass qualitative Methoden eine Errungenschaft sind, und nicht etwas, das 1 nur belächeln kann, ist wohl wiederum bei diesem Typen noch nicht angekommen.

Diese ganze Arroganz, die ich in und an der Uni so hasse, ist mir da auf einen Schlag entgegen gesprungen. Und ich will da trotzdem hin, ha! Wissenschaft und Universität sind so mächtige Institutionen in dieser Gesellschaft. Und von da soll ich ausgeschlossen sein, nur weil ich denen kritisch gegenüber stehe?

Warum will ich da denn jetzt eigentlich hin?

[Trent:] Um, why do you wanna go to Art College? You’re already an artist.

[Jane:] I know, but I want to be a starving artist so I need to ring up more dept.

Das gründet sich wohl einerseits, trotz aller Kritk, trotz des längst desillusionierten Blicks, trotz der allgemeinen Enttäuschtheit, immer noch auf die (romantisierte?) Vorstellung, dass die Uni der Ort ist, an dem ich (sollte ich durch das Elfenbeintor eingelassen werden) den Raum bekomme, mich Erkenntnisprozessen zu widmen. An dem ich, wenn ich einmal diese Schwelle, an der ich immerzu stehe, überschritten habe, so frei wäre wie es eben geht in unseren Verhältnissen. Also: Nicht so richtig frei. Aber ein bisschen. Und auch das ist wahrscheinlich Illusion und Einbildung. Wunschdenken. Ich sehe ja auch, wie Menschen, die ich kenne und schätze, ihre ganze fachliche Ausrichtung ändern, weil sie sonst untergehen würden und eben kein Raum für sie da ist.

Andererseits will ich aber auch ganz klar die mächtigen_herrschenden Wissensproduktions-Strukturen nutzen, um herrschaftskritisches Wissen[5] zu produzieren, das ist mein Ziel! Und nutzen will ich sie AUCH deshalb, weil sie well-funded sind und woanders das Geld (Miete! Essen! Krankenversicherung!) eben noch weniger fließt. Einfache Rechnung, oder?

Aus einem Twitter-Gespräch mit @pflaumenfeld ergab sich für mich noch diese Perspektive:

Vielleicht projiziere ich auch zu viel in diese Berufssuche rein – und muss mich davon lösen, dass ich all meine Interessen so verbinden kann, dass sie für das neoliberale System Sinn (und damit Geld) ergeben. Ist ja auch Quatsch, eigentlich, und sehrsehr gefährlich, die eigenen Interessen an die Existenzgrundsicherung_bedingung (=Arbeit) zu heften. Andererseits, Entfremdung will 1 auch nicht, und wo genau ist da jetzt eigentlich dieses vielgepriesene “Mittelmaß”, das mir als Ideallösung so ansozialisiert wurde, aber oft auch eigentlich nur scheiße ist.

Wie macht ihr das? Wie sieht bei euch das Verhältnis Job-Freizeit-Aktivismus-Interessen aus? Was erwartet_wollt ihr von eurem Job? Oder seid ihr (wie ich in ein paar Monaten auch sein werde, wenn sich nichts ergibt) gar nicht in einer Position, euch darüber überhaupt so viele Gedanken machen zu können, weil ihr einfach nehmen müsst, was da ist? Wie geht ihr damit um?

Ich fühl mich grad verloren.

Im nächsten Leben werd ich Wal_in.

Herzlich,

eure

anna Schwelle

_____________________________________________________

[1] Die Schreibweise “1” habe ich mir bei Twitter von Bäumchen abgeguckt, und finde sie großartig, denn sie ersetzt die ansonsten immer schon gender-spezifischen Personal-Pronomen genauso wie auch die unpersönlichen Pronomen und ist dabei platzsparend und gender-offen! Ich mag es aber eben auch genau so, als Zahl geschrieben, weil so jed*er Les*erin selbst aussuchen kann, wie die “1” gendermäßig “übersetzt” werden kann_soll. zurück

[2] “k1” — versteht ihr, nech? Quasi die verneinte Form von “1” :’]
zurück


[3] Beinahe hätte ich jetzt “alles” geschrieben. Was 1. eine massive Übertreibung gewesen wäre und 2. mich fast selbst wieder in so eine selbstgerechte Gött_innen-Position versetzt hätte. Wuoah! Dabei werde ich von Menschen, die mehr oder anders sehen als ich, selbst immer wieder auf Dinge hingewiesen. Di Hia, Samia, René_ z.B.: Die machen das manchmal. zurück


[4] Eine Beobachtung, die viruletta in dem unter “Elfenbeinturm” verlinkten Post schon im November 2012 gemacht hat. viruletta hat sich auch ganz ähnliche Fragen gestellt, wie ich sie mir jetzt stelle. Lesen! :] — Im Bewerbungsgespräch hieß es dann übrigens, mein Verständnis von Wissenschaft sei “veraltet”. Nur dass ihr’s wisst: die Medienwissenschaft ist da schon viiieeel weiter, und die Sozialwissenschaft auch. Aha. Na, danke. zurück


[5] “Herrschaftskritisches Wissen” bedeutet für mich 1. jedes Wissen, das Normen angreift, unterläuft, in Frage stellt, umstößt, oder auf sie scheißt und 2. auch jede Methode zur Produktion von Wissen, die dasselbe tut. “Wissen” entsteht nämlich immer erst dann, wenn eine Behauptung, Theorie oder whatever in einer bestimmten Gesellschaft (kann auch ne Subkultur sein) Anerkennung erlangt hat. Also, klar kann ich für mich selbst irgendwas wissen. Aber so lange niemand anderes mir das als “Wissen” abkauft, kann ich damit auch nur für mich selber was anfangen (und evtl. für meine Psychohygiene_ökonomie, auch nicht zu unterschätzen) — wenn ich von “Wissen” spreche, meine ich in der Regel schon dieses anerkannte Wissen, dass eben dadurch auch eng mit Macht und Machtausübung in Verbindung steht. Dazu vielleicht bald mehr in einem anderen Blogpost. Ich finde es nämlich in Verbindung mit der Auseinandersetzung um Klassismus von vor ein paar Monaten recht überdenkenswürdig, dass der Begriff “herrschaftskritisches Wissen” gefallen ist, um die (über?)-akademisierte Sprache im Feminismus zu rechtfertigen. Macht für mich keinen Sinn. zurück