_nicht die Ursache für deine Gewalt | _mein eigenes Schlachtfeld | _mir lieb | _mein Werkzeug | _meine Spielwiese | _ _ _

Über fremde Selbstbestimmung und still-schreiende Erfolge


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Wir freuen uns heute eine Gastbloggerin begrüßen zu dürfen.  Schon lange bin ich von ihren Texten hin und weg und wünsche mir, dass ihre Stimme und das,was sie zu sagen hat laut hallt und es ordentlich scheppert.

Vorhang auf

 

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Sexuelle Selbstbestimmung“ ist ein Wort, bei dem meine erste Assoziation die weiße Frau ist, die sich sehr dramatisch von patriarchalischen Strukturen befreit.

[Ehrlich gesagt, hatte ich immer ein Problem mit „Feminismus“. Ich wollte mit ganz bestimmen Menschen nicht in einen Topf geworfen werden, aber dann entdeckte ich andere Feminismen, Gott sei Dank!]
Ich kann mir vorstellen, dass schon bei weißem Feminismus, bei dem Kolonialismus, Migration und Religion vielleicht nicht mitgedacht werden, die Frage nach sexueller Selbstbestimmung viele Seiten füllen könnte. Für mich sind solche Debatten meist ermüdend, weil sie ordentlich an den Dingen, die wirklich interessant für mich sind, vorbeischießen. Mein Körper wird nicht nur von sexistischen, männlich-dominierten Diskursen reguliert. Mein Körper ist nicht nur „weiblich“. Meine Sexualität wird nicht nur von weißer Mehrheitsgesellschaft oder ausschließlich von meiner „patriarchalischen, primitiven Kultur“ fremdbestimmt.
Ich muss mich mit mehr als einem Diskurs befassen um zu verstehen, wieso ich mir mit 13 Jahren das erste Mal die Haut „gebleacht“ habe, wieso ich erst mit 18 das erste Mal mit einem weißen Deutschen befreundet war, der mich exotisiert hat ohne mich im Geringsten damit verletzen zu können, wieso mein Körper von den meisten Ausländerinnen* mit denen ich aufgewachsen bin, als hässlich empfunden wurde und wieso unser Nachbar gestern mit völligem Unglauben und sichtlicher Empörung darauf reagiert hat, dass ich ausgezogen bin ohne geheiratet zu haben („Die Frau zieht aus wenn sie heiratet, das ist bei uns so!“ – Womit er recht hat, Ausziehen habe ich mir hart auf vielen Ebenen erkämpft).
Dazu muss ich noch sagen, dass ich in den letzten 2 Jahren, seitdem ich eben „ausgezogen“ bin, festgestellt habe, dass meine Geschichten an anderen Orten nicht so normal sind wie dort, wo ich herkomme. In dem Stadtteil aus dem ich komme, kennt jede*r jede*n und du siehst einfach selten echte Deutsche auf der Straße. Wir haben uns übrigens nie als Deutsche definiert, ich habe mich nicht mit „Weißsein/Deutschsein“ oder so beschäftigen müssen bis ich nach Berlin kam. Erst dann wurde mir bewusst, dass „Wo kommst du her“ nicht mit Solidarität, Interesse, Gemeinsamkeiten, lustigen Geschichten, „dann-kennst-du-bestimmt-[…]“ usw. zu tun hat, sobald die Frage von Weißen gestellt wird (davor wurde ich glaub ich nie von Weißen gefragt, außer von Lehrer*innen vielleicht). Jedenfalls muss ich wegen solcher kultureller Unterschiede innerhalb Deutschlands immer sehr weit ausholen, wenn ich außerhalb meines Frankfurts über alles spreche, was mich zu der gemacht hat, die ich bin.
Naja, zurück zur sexuellen Selbstbestimmung. Wenn ich einen eindimensionalen Kampf führen würde, wenn ich nur für eine und gegen eine Sache wäre, wenn ich einen Lebensentwurf hätte, der nicht auf allen Ebenen gleichzeitig widersprüchlich und genial wäre, dann wär ich vielleicht soweit hier aufzuschreiben, was genau für mich Selbstbestimmung ist. Wie ihr euch gerade denken könnt, bin ich nicht so weit und will es auch nicht sein. Der Diskurs um sexuelle Selbstbestimmung schließt mich, wie viele anderen Diskurse auch, aus. Deshalb werde ich nicht daran teilnehmen. Er ist so konzipiert, dass ich unter Druck gesetzt werde, mich genauso gut und vorbildlich zu „befreien“ wie weiße Feministinnen*. Er ist so konzipiert, dass ich jedes Mal ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich nicht emanzipiert genug bin um irgendwelchen Erwartungen gerecht zu werden, die das Label „Feministin“ so mit sich bringt. Wenn ich mitmachen will, müsste ich mich irgendwo im Kampf gegen Diskriminierung von muslimische/südasiatische Frauen in weißen patriarchalischen Strukturen positionieren, also immer gegen Vorurteile und Befreiungsversuche und Exotisierungen von Mainstreammedien und Feministinnen ankämpfen und gleichzeitig natürlich die heteronormativen Strukturen der weißen Mehrheitsgesellschaft in Frage stellen, das Konzept der Ehe, Familie, Sex, Beziehungen, Schönheitsideale, also Dinge von denen auch weiße Frauen betroffen sind. So ungefähr wird mir von den Schwestern vermittelt, wie es „richtig“ geht mit dem Feminismus.

Für mich ist das ehrlich gesagt sehr wichtiger, aber meiner Realität ziemlich ferner Quark. Meine tatsächlichen Probleme haben keine Platz in den Diskussionen, ganz im Gegenteil fühle ich mich unter Druck gesetzt und schweige sie tot. „Jetzt bloß keine Vorurteile bestätigen, sonst spiele ich dem weißen Mainstream-Feminismus in die Hände, ich muss doch jetzt beweisen, dass ich als muslimische Frau genauso emanzipiert bin wie alle anderen, außer eben dass ich rassistisch diskriminiert werde.“
Wieso ist meine Existenz eigentlich so unangenehm für viele? Ja, ich werde rassistisch und sexistisch diskriminiert. Ja, die weiße Mehrheitsgesellschaft und Medien reproduzieren gefährliche Stereotypen. Ja, ich erfahre Sexismus in meiner Community. Ja, ich, als muslimische, südasiatische Frau habe andere Probleme als weiße Frauen, weil ich nicht nur in weißen Strukturen aufgewachsen bin. Ja, ich war mein Leben lang von Sexismus in meinem Umfeld und meiner Community, die strukturell mein Leben am meisten beeinflusst hat, betroffen.
Und jetzt wird mir in euren feministischen Kreisen das alles aberkannt. Wenn ich vor irgendeiner kritisch-weißen Person sitze und davon erzähle, folgt peinliches Schweigen. Da sind die wieder, die bestätigten Vorurteile. Wieso wird mein Leben nochmal auf Klischees oder Nicht-Klischees reduziert?
Wenn ich vor einer „Person of Color“ sitze, die in einem weißen Umfeld aufgewachsen ist und den ganzen Community-Scheiß nicht verstehen kann, folgt ein „halt-die-Klappe-das-hilft-niemandem-in-unserem-Kampf-gegen-Rassismus“. Ich erkenne eure Kämpfe an, was ist aber mit meinen?
Nun, wohin mit mir?
Gestern saß ich mit meinen Mädels beim Tee und wir redeten über unsere fast kollektive Beziehungsunfähigkeit. Es folgten Analysen, mit welchen Männern würde es klappen, mit welchen nicht und wieso. Wir stellen fest, dass uns bei der Wahl Faktoren beeinflussen würden, die sehr spezifisch für uns sind. Ich könnte halt nicht auch mit dem besten Deutschen ankommen, ohne dass es irgendwo Schwierigkeiten im Umfeld, in der Familie gibt. Es folgt allgemeine Zustimmung. Keine Klischees. Jede kann sagen was sie will. Kein pseudo-strategischer Feminismus. Keine Politik. Real Life.

Wenn ich gezwungen werde, meine Probleme totzuschweigen, kann ich eben auch nicht meine Erfolge feiern. Und ich habe viele Erfolge zu feiern, die für viele, die meinen für mich zu sprechen, Selbstverständlichkeiten sind. Ich befreie mich hiermit von dem Druck und der Heuchelei, von allen hochgebildeten Feministinnen of Color die in ihren Befreiungskämpfen gegen rassistische Repräsentationsregimes unsere ökonomisch und strukturell unterprivilegierten Communities mit ihren echten Problemen ignorieren. Es tut mir leid, dass ich ein paar von den Vorurteilen bestätige, gegen die ihr kämpft, wenn ich gerade versuche auf den Scheiß hier klarzukommen.

 

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Freund_innenschaft, Schland, -ismen und Grenzen

Anna Schwelle: Liebe Di Hia, du kommst ja in ein paar Tagen zu Besuch nach Deutschland (ich freu mich SO!). Wie ist das für Dich, diese Reise zu planen?

Di Hia: Ich hab Bauchweh. Vor allem weil ich gerad wieder diese ganzen Berichte über die rassistischen Angriffe lese. Ich habe Angst. Ich will meinen Freund beschützen und mir bammelt es schon vor der Flughafenkontrolle in Frankfurt. Ich mache mir Sorgen, dass er angegriffen wird.
Und dass er völlig schockiert von Deutschland ist.

Anna Schwelle: Dein Freund war vorher noch nicht in Deutschland, oder?

Di Hia: Er ist Algerier, bisher hatte er einmal ein Visum für Urlaub in Frankreich. Ein Visum zu bekommen ist gar nicht so einfach. Also, nee vorher war er nie in Schland. Aber er stellt sich das ganz toll vor. Ganz offen. Und tolerant.

Anna Schwelle: So präsentiert Schland sich ja auch gern nach außen. Und die meisten (weißen!) Deutschen haben auch dieses Bild von ihrem Land. Und das, während sich gerade  z.B. in den NSU-Morden und -Prozessen die ganze rassistische Kacke total deutlich zeigt – sowohl im “Untergrund”, als auch in den Strukturen selbst.

Di Hia: Ja. Also ich hab zum einen Sorge vor diesen Strukturen, also wir wollen z.b. mit dem Zug fahren….ob er dann z.b. wegen racial profiling unangenehme Situationen hat. Also das ist zum einen meine Angst. Und zum anderen hab ich sorge, dass aus meinem weißen Freund_innenkreis homonationalistische_antimuslimische Sprüche kommen.
(fun fact: he is not even muslim. wir aber so gelesen und dementsprechen mies behandelt werden)

Anna Schwelle: Es ist megatraurig, dass du vor sowas Angst haben musst – vor allem im eigenen Freund_innenkreis. Ich gehöre ja auch zu diesem weißen Freund_innenkreis. Und weiß, dass ich Teil des Problems bin_sein könnte. Ich weiß auch, dass du sowas schon erlebt hast. Und nach einem Umgang damit suchst.

Di Hia: Wundert dich das?
Ich meine, mein Freund_innenkreis spiegelt doch die Gesellschaft wider. Ist teil des Problem oder Lösung. Ich weiß, generell wollen die Menschen die Anti-whatever Aktivismus betreiben, nicht gerne hören welche eigenen -ismen sie noch inne haben.
Aber, also ich merke das bei mir selbst…..das ist einfach nen Haufen unangenehme Arbeit, die eigenen -ismen zu bekämpfen. So den eigenen Habitus zu beobachten ist halt schon neben dem generellen Alltagskram schwer.

Anna Schwelle: Wir sind halt Teil dieser Gesellschaft, in ihr groß geworden und haben all den Scheiß verinnerlicht. Aber das nimmt uns (ich meine: weiße Anti-irgendwas oder whatever) ja nicht aus der Verantwortung.

Di Hia: Und ich denke eben auch, dass Menschen die negativ von mehreren -Ismen gleichzeitig betroffen sind, vielleicht über weniger Kraft verfügen, den eigenen aktivistischen Ansprüchen gerecht zu werden. Bei den anderen….tja…weiß ich auch nicht

Anna Schwelle: Die Frage innerhalb einer Freund_innenschaft ist halt: wenn eins von mehreren -ismen betroffen ist, wieviel shit can s_he take?
In einer Freund_innenschaft gehts doch auch um Empathie und Zuneigung und Liebe füreinander. Aber irgendwo ist halt auch eine Grenze, bzw. was da passiert an Auseinandersetzungen und -istischen “Fehltritten” ist immer politisch aber vor allem AUCH persönlich.

Di Hia: Ach ich bin grad wieder so an einem Punkt an dem ich denke: Stell dich doch nicht so an. Schraub die Ansprüche runter. Shit happens. Aber ich glaube ich resigniere einfach. Wenn ich an Yasminas Brief denke, dann frag mich mich manchmal wozu das alles. Vielleicht brauch ich ein dickeres Fell.

Anna Schwelle: Ich denke ja eigentlich immer, dass Freund_innenschaften der Ort sein sollten, wo eins das dicke Fell ablegen kann. Aber das ist wohl vielleicht auch ein ganz schönes Privileg das so pauschal sagen_verlangen zu können. Und wenn ich so richtig nachdenke, trifft das ja auch bei mir nicht wirklich zu. Aber trotzdem….Ich meine, ich kenne Menschen, also PoC, die einfach generell gar keine Freund_innenschaft mit weißen Menschen mehr eingehen.

Di Hia: Ja. Verstehe ich gut. Hab ich auch n bisschen den Wunsch nach. Aber das ergibtsich ja von selbst. Ich hab in den letzten 3 Jahren glaub ich die Hälfte meiner weißen Freund_innen in den Wind geschoßen. Oder sie mich. Weil ich zu dogmatisch bin.

Anna Schwelle: Wir hatten ja an anderer Stelle (privat) schon mal über safer spaces in Beziehungen gesprochen….und festgestellt, dass auch intime Beziehungen nicht “einfach so” ein safer space sind, nur weil Menschen sich lieb haben.

Di Hia: Ja. Ich weiß noch wie ich generell in Frage gestellt habe, ob für eine Frau eine heterosexuelle Beziehung überhaupt safe sein kann. Oder aber eben auch für eine Person of Color eine Beziehung zu einer weißen Person. Ich glaub schon, dass das einfach ein Haufen Arbeit ist. Und mit viel Schmerz verbunden sein kann. Besonders wenn die Personen beide aktivistisch sind.

Anna Schwelle: Weil dann noch so ein Gefühl von “ich tu doch aber so viel Gutes” dazu kommt?

Di Hia: Ja, irgendwie schon. Also zum Beispiel mein Freund der nutzt sein männliches Privileg ständig in der Öffentlichkeit: er raucht auf offener Straße. Und ich sage immer: ich mag auch rauchen aber kann das nicht hier. Also lass du das auch sein. Und er: zünde dir doch auch eine an, ich beschütz dich.
Lol. Nein, er achte da jetzt drauf.
Und so eine Zigarette gibt mir auch keine Freiheit. Immerhin könnt ich sie nur rauchen, weil ich männlichen Schutz neben mir hab. Aber ich merke wie er sich denkt: Mensch, ich bin doch immer so bemüht…jetzt sei nicht so streng mit mir. Aber die Sache ist doch die: Entweder ich will mit anti- rassisitisch oder -sexistisch oder was auch immer verhalten oder nicht. Wenn ja, dann muss eben dementsprechend gehandelt werden. Es reicht nicht links und blogs zu lesen und teilen, es muss verinnerlicht werden und eben dieser oft schmerzhafte Prozess durchlebt werden, bei dem Mensch bewusst diese Privilegien ablegt.
Wer das nicht will soll bitte auch nicht jammern kommen.

Anna Schwelle: Privilegien ablegen. Oder sie nutzen, um Veränderung herbei zu führen? Oder sie erweitern und auf mehr Menschen ausdehnen? Wobei wenn ich da an die Homo-Ehe denke, nee, das ist Bockmist.

Di Hia: Sorry, also ich weiß schon dass mensch so Privilegien nicht einfach ablegen kann. Das würd ja dann bedeuten, dass ich sie mir auch ohne Probleme aneignen könnte. Aber halt eben in den bestimmten Momenten, davon nicht gebrauch machen. Oder einfach die Schnauze halten. Das ist generell find ich ne gute Sache.

Anna Schwelle: lol. das find ich auch dass das ne gute sache ist!
Und das würdest du dir auch von deinen weißen Freund_innen manchmal wünschen?

Di Hia: Dass sie die Schnauze halten. Ja wirklich.
LOL. jetzt muss ich grad total lachen.

Anna Schwelle: Hihi 🙂

Di Hia: Und n bisschen Eigenironie. Ja.
Zum Thema schnauze hatte me myself and child auch was schönes geschrieben.

Anna Schwelle: Ja, den Artikel find ich superdupergroßartig. Und er zielt zwar auf (cis)Männer und Feminismus, aber geht wahrscheinlich auch ganz gut auf Weiße und Rassismus zu übertragen.

Di Hia: Ja…halt eben je nach Unterdrückungsmechanismus glaub ich. Es gibt sicherlich genügend Themen bei denen ich auch meine Schnauze halten sollte. Das ändert aber eben nichts daran, dass ich als muslimische WoC in einigen gesellschaftlichen Diskursen in jedem Fall oft negativ von den Ausgängen betroffen bin und keine Lust habe zu schweigen

Anna Schwelle: Ja, klar, je nach Unterdrückungsverhältnis. Und da kommt das ja auch wieder mit den Freund_innenschaften, die dir eigentlich die Kraft geben sollten, damit du sprechen kannst (oder schreien, je nachdem).

Di Hia: Ich erwarte nicht mal dass ich Kraft aus weißen Freund_innenschaften ziehen kann….

Anna Schwelle: Damit hast du indirekt schon fast meine nächste Frage beantwortet… ich hab mich nämlich grad gefragt, ob für dich Freund_innenschaft auch bedeutet, dass die Person ein_e ally sein sollte….Für mich entwickelt es sich nämlich in Bezug auf Feminismus momentan schon dahin, dass ich mich von Freund_innen, die da nicht supportive sind, distanziere.

Di Hia: kann ich gut verstehen. Beziehungen sind aber auch irgendwie eine gemeinsame Reise….es ist sicherlich gut, sich gegenseitig Entwicklungsprozesse und Fehltritte zu zugestehen….aber alles hat eben seine grenzen.


Re:Gender-Liste, Mutvilla, Queere Hochschultage

Ich hatte mich für einige Tage aus dem Netz zurück gezogen. Ich habe gemerkt wie ich Abstand brauche. Habe versucht mich von Facebook fern zu halten und einfach nur auf mich und meine Energie auf zu passen. Ich bin nämlich müde.

Ich versuche, wie viele ander WoC auch, jeden Tag neue Über_lebensstrategien zu testen, manifestieren, erproben, die mich in dieser weißen Dominanzgesell_innenschaft retten und schützen. Ok. Ich gebs zu: ich lebe momentan gar nicht mehr in Deutschland und muss mir vieles von dem Kram nicht mehr ständig geben. Wir wissen aber: Solidarität hört nicht mit einem Ortswechsel auf UND Rassismen machen vor dem www nicht halt.

Es gibt nur ein Forum, dass ich in den letzten Tagen verfolgt habe, dort hab ich auch das Desaster der qht mitbekommen. Habe alles gelesen und an meine Herzesm_enschinnen gedacht, die dort nun sind und mit denen ich dieses Projekt hier habe.

Ich wusste es wird ein Beitrag folgen. Und ich wusste er könnte schmerzhaft werden. Ich wollte was sagen, wollte Wünsche formulieren, wollte mich und euch und uns vor eventuellen Schmerzen schützen.

Ich hab nichts gesagt. Warum ,muss ich für mich selbst noch klar kriegen.

Ich bin aber auch nicht für den vorherigen Post verantworlich und möchte mich hier davon distanzieren.

Wir haben uns Blogintern zu spät aber besser spät als nie über die qht unterhalten. Meine Kolleg_innen sind in eine der tyischen weißen Fettnäpfchen getappt und ich hoffe sehr, dass sie angemessen mit den Konsequenzen umgehen.

Bevor dieser Blog online ging hatten wir eine Unterhaltung. Mir, als muslim Woman of Color war eine Positionierung unsererseits wichtig. Auf unterschiedlichen Gründen wurde sich dagegen entschieden. Teil dieser Gründe sind sicherlich mangelnde awareness und gelebte Selbstverständlichkeit von meinen weißen Mitschreiber_innen.

Der letzte Beitrag hat mir Bauchweh bereitet und ich will das so nicht stehen lassen. Dankbar bin ich für die Person, die diesen Beitrag verfasst hat, der es wirklich gut trifft.

Ja.

Dies Situationn kenne ich. Weiße Freund_innen, die sich selbst als kritisch erleben, mit denen ich gut sprechen kann ……die aber dann direkt ins Gesicht hauen. Zwar mit schönen, gewählten, kritischen Worten…aber seien wir ehrlich: der Schmerz hallt dadurch nich weniger nach.

Ich weiß, dass die Vermutung,dass ich eventuell nicht ganz d’accord mit dem Beitrag bin präsent war. Dennoch schien es wichtigere Gründe FÜR die Veröffentlichung gegeben zu haben.

Ich war heute 9 Stunden in meinen unterbezahlten Job, hab mich mit Alltagskram geärgert und wollte heute abend eigentlich nur meine Ruhe….wollte mich einer kleinen Schwärmerei für eine Person hingeben und einfach abschalten.

Nein.

Weil da doch mal wieder die eignene Positionierung nicht klar überdacht und artikuliert wurde, muss ich nun meine Ressourcen und meinen Feierabend damit verbringen meine Wut zu kanalisieren und hier ein Statement hinklatschen, das halbwegs verständlich ist damit ich dann gleich schlafen gehen kann.

Ein bisschen erinnert mich das an diese FEMEN Sache…das hat mich auch schon hart genervt. Erwähnt hatte ich es mal.

Für uns (in dem Blogprojekt) steht klar, wir haben da jetzt noch n einige Dinge zu klären und werden diese auch hier bald klar formulieren.

Klar ist auch, dass vieles in dem Artikel gut und wichtig ist und da jetzt einfach klare transparente Handlungen folgen müssen.

Ich will euch nicht decouragieren. Im Gegenteil. Jetzt gehts erst richtig los. Macht weiter, fordert die Umsetzung der geübten Kritik. Lasst nicht locker. Aber seid wachsam. Achtet auf euren Tanzbereich.

Ich zieh mich erstmal wieder zurück.

Meine Solidarität mit den Schwestern_Brüdern bleibt.

Di Hia

P.S.:


Gender-Liste, Mutvilla, Queere Hochschultage, Rassismus, Solidarität, Verantwortung, Diskurs_Macht

Edit: Wir haben uns nicht positioniert, das geht nicht klar. Wir holen es hiermit nach: Wir schreiben beide aus weißer Perspektive. Außerdem möchten wir noch transparent machen, dass René_ als Referent_in auf den Queeren Hochschultagen gesprochen hat. Wir wohnen beide nicht in Berlin und sind aus Anlass der Queeren Hochschultage hier angereist. Wir haben persönliche Beziehungen zum Orgateam der Hochschultage. Am Samstagabend (11.05.) sind wir, Nadis Aufruf folgend,  zum Südblock gekommen. 

Hier findet ihr Kritik von Ele an Inhalten und Formulierungen unseres Artikels. Wir möchten darum bitten, die mitzulesen, wenn unser Artikel gelesen wird. 

Zweiter Edit, diesmal von René_ alleine, weil Anna- gerade verhindert ist: Di Hia, unsere Mitautorin in diesem Blogprojekt (meinkoerperist), hat Anna- und mich schon vor langer Zeit auf die Notwendigkeit von Selbstpositionierung hingewiesen, wir haben uns aber nach unzureichender Reflektion dagegen entschieden und in ignoranter Konsequenz auch versäumt, uns in diesem Beitrag zu positionieren. Damit haben wir auch Di Hia weh getan und Arbeit gemacht, was sie hier erklärt. Diese Gedanken wollen wir ebenfalls als Stimme hörbar neben die unsere stellen.

Die „Geschichte“ könnte lang sein, und komplex. Wir könnten sie erzählen, indem wir lang und breit aufdröseln, wer was wann (wie?) gesagt hat. Wir könnten genau darauf eingehen, welche Personen beteiligt sind und welche Verstrickungen und älteren Geschichten eventuell noch eine Rolle spielen könnten. Wir könnten erzählen, wen wir wie kennen, wann wir wovon erfahren haben, warum jetzt jetzt was schreiben, welche Emotionen und Unsicherheiten wo und wann eine Rolle spielen und sicher noch vieles vieles vieles vieles mehr.

Aber eigentlich ist ganz einfach und schnell gesagt, was passiert ist:

Person_en* übten auf der Genderliste Kritik an rassistischen Praktiken und sah_en sich krassen sexistischen und rassistischen (quasi „wunderbar intersektionalen“) Beschimpfungen ausgesetzt; sie wandte_n sich mit der Bitte um Solidarität und Unterstützung an die Facebook-Gruppe Mutvilla und bekam_en dort aber 1. keine Unterstützung und sah_en sich 2. silencing- und derailing-Strategien gegenüber.

Uns interessiert an diesem Punkt inhaltlich schon gar nicht mehr, wie die anfängliche Kritik aussah und ob sie berechtigt war oder nicht: Wenn in einem Raum, in dem ich mich bewege und_oder moderiere ei*ne Men*schin solchen (sich auf) -ismen stützenden Beschimpfungen ausgesetzt ist, dann solidarisiere ich mich mindestens in so weit mit ihr, dass ich diese Beschimpfungen zurückweise und verurteile und die Person_en, die sie ausgesprochen haben, mindestens verwarne. Das ist nicht passiert. Offenbar fühlt sich auf der Genderliste keine Person für die Moderation verantwortlich. Und Mutvilla „existiert seit ein paar Monaten nicht mehr als Gruppe“.

Genderliste, Mutvilla: virtuelle Räume, die eine_r die Möglichkeit, sich aus der Verantwortung zu ziehen, geradezu auf dem Silbertablett präsentieren. Und hier kommt jetzt der Bogen zu den Queeren Hochschultagen (QHT): Die Organisat*orinnen, die sowohl auf der Genderliste als auch bei Mutvilla aktiv sind, bzw. bei Mutvilla auch zu den Administrator*innen gehören, haben sich durch die erfolgreiche Organisation und Durchführung der QHT-Veranstaltungen als mit einer gewissen Diskursmacht innerhalb der queeren Szene Berlins ausgestattet erwiesen. Mit Diskurs_Macht kommt Verantwortung. Dennoch ziehen es die Organisat*orinnen bis jetzt noch immer vor, sich nicht explizit zu positionieren – die Nicht-Positionierung geht sogar so weit, dass die Abschlussparty der QHT, an der sich einige Vorschläge_Forderungen für die Art und Weise einer möglichen Positionierung (in Form von Thematisierung der rassistischen Strukturen und weißen Vorherrschaft in der Szene) festgemacht haben, (einfach?) abgesagt wurde. Mit der Begründung: „die gestellten Forderungen können nicht erfüllt werden“ und dass „aufgrund des massiven Veranstaltungsprogramms eine angemessene Auseinandersetzung mit den auf der genderliste und der Mutvillafacebookseite stattgefundenen Verletzungen bisher nicht geleistet werden kann

Die Party findet also nicht mehr statt und die Positionierung wird verschoben.

Nur ist eine Nicht-Positionierung in einer diskriminatorischen Situation (wie wir doch eigentlich alle wissen) eine Positionierung, die die diskriminatorische Norm_Praxis_Wirkung unter_stützt.

Uns geht es darum, festzustellen, dass all die Nebenschauplätze, die Kleinkriege, die Hackordnungsstrategien und Vorwürfe an einzelne Personen irrelevant sind für eine Einschätzung der Gesamtsituation.

Die einzelnen Äußerungen, wer sie wann und wo getätigt hat und die inhaltliche und formal-strukturelle Auseinandersetzung mit diesen ist natürlich nicht an sich irrelevant. Sie sind im Gegenteil sehr relevant, wenn es um einen Dia(poly)log zwischen den beteiligten Positionen geht. Das ist allerdings ein zweiter Schritt der nach unserer persönlichen Einschätzung erst nach einem ersten Schritt gemacht werden kann, auf den wir hier hinaus wollen:

Als in diesem Moment mit Diskurs_Macht ausgestattete Menschen, habt ihr, liebe Orga der QHT, hier gerade eine Chance (gehabt?), um ein Zeichen zu setzen für intersektionale Solidarität innerhalb der queeren Szene. Ihr hättet die Chance gehabt, mal über den Tellerrand der eigenen Verletzungen und individuellen Angreifbarkeit und Verteidigungshaltung hinaus zu schauen, um ein strukturelles Problem, dass sich gerade zu diesem spezifischen Zeitpunkt in euren (virtuellen und realen) Kreisen mit hässlicher Fratze manifestiert hat, anzupacken und Verantwortung dafür zu übernehmen, dieses Problem gemeinsam und solidarisch anzugehen.

Neben den auf dem Panel “Rassismus im Berliner queeren Netz” erarbeiteten Forderungen standen auch genug Vorschläge im Raum, wie das umsetzbar gewesen wäre. Aber anstatt anzuerkennen, dass in eurer Szene rassistische Scheiße passiert ist; anstatt anzuerkennen, dass ihr mit eurer (mindestens momentanen) Diskursmacht innerhalb dieser Szene auch eine (überindividuelle!) Verantwortung tragt; anstatt dies als Chance zu nutzen, um ein Zeichen zu setzen; anstatt dies auch als Chance zu nehmen, um bestimmte Themen einfach mal zu diskutieren – ziehen sich gerade alle aus der Verantwortung.

Das ist enttäuschend. Und da muss sich jetzt wirklich mal was bewegen.

Momentan scheinen sich da zwei Fronten zu verhärten, und so Vieles scheint sich aus unserer nicht-Berliner_innen-Sicht auch an den konkreten Personen sowohl der Initiatorin_nen der Kritik als auch der Organisat_orinnen der QHT fest zu machen. Das ist natürlich wenig fruchtbar, und das ist es auch genau, was ich meine, wenn ich davon spreche, dass mich Nebenschauplätze und Hackordnungsstrategien nicht interessieren. Solidarität gegen -istische Beschimpfungen verdient jed*e, das muss anerkannt werden. Erstens.

Und Zweitens: Hier stehen jetzt zwei Themen im Raum, die wir auch nicht hinten überfallen lassen möchten. Die zu Beginn von allem geübte Kritik richtete sich 1. gegen ein rein weißes Buchprojekt über Roma, dessen Call for Papers mit der rassistischen Fremdbezeichnung für Roma arbeitete; und sie richtete sich 2. gegen einige vor allem in der linken Szene verbreitete Modeerscheinungen, wie das Tragen von Dreadlocks, Earplugs und Mohawks, also gegen Cultural Appropriation (Klarstellung: Es handelt sich hier natürlich nur um Modeerscheinungen und Cultural Appropriation, wenn weiße Menschen sowas tragen).

Eine Beschäftigung mit diesen oder auch ähnlichen Themen, mit rassistischen Strukturen und weißer Vorherrschaft innerhalb der queeren und_oder linken Szene muss sich doch nicht an den konkreten Personen festmachen, die jetzt gerade im Vordergrund stehen. Es gibt doch in Berlin sicherlich vielevieleviele PoCs und auch Weiße, die sich immer wieder und eingehend und kritisch und aus verschiedenen Perspektiven und mit verschiedenen Umgangsweisen mit solchen Themen beschäftigen. Warum bringen die sich nicht ins Spiel // werden die nicht angesprochen ?

Wir würden uns zwei Dinge wünschen: (1) dass die Organisat*orinnen der QHT aus ihrer Handlungsstarre aufwachen, sich für ihre mangelnde Solidarisierung und Positionierung entschuldigen und in Aktion treten; (2) dass sich die Debatte entpersonalisiert, so dass die Auseinandersetzung mit Themen wieder (mehr) in den Vordergrund rückt und dass wichtige Akteurin_nen der queeren Szene (zB die Organisat_orinnen der QHT oder auch des tCSD) eine öffentliche Auseinandersetzung mit diesen angestoßenen Themen an_be_treiben.

Das hier ist eine Chance: Nutzt sie.

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*Da wir die Diskussionen inhaltlich von den im Fokus stehenden Personen lösen wollen, haben wir im Artikel keine Namen genannt. Allerdings wollen wir Nadezda Krasniqi aka Nadi und ihre schwere und unermüdliche Arbeit in diesem Zusammenhang auch nicht unerwähnt lassen (danke auch für den Hinweis darauf, wie auch das wieder rassistische, weiß-dominierte Strukturen re_produziert hätte!) Sie ist seit mittlerweile 6 Wochen in dieser Sache aktiv und meldet sich trotz viel Gegenwind und Anfeindungen unermüdlich immer wieder zu Wort, um gegen diese starre, stumme, anonyme und teilweise feindselige Wand anzureden, was viel Kraft und Energie kostet.

 Eure

Anna Schwelle

und

René_ La Magnifique D.S.