_nicht die Ursache für deine Gewalt | _mein eigenes Schlachtfeld | _mir lieb | _mein Werkzeug | _meine Spielwiese | _ _ _

Über fremde Selbstbestimmung und still-schreiende Erfolge


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Wir freuen uns heute eine Gastbloggerin begrüßen zu dürfen.  Schon lange bin ich von ihren Texten hin und weg und wünsche mir, dass ihre Stimme und das,was sie zu sagen hat laut hallt und es ordentlich scheppert.

Vorhang auf

 

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Sexuelle Selbstbestimmung“ ist ein Wort, bei dem meine erste Assoziation die weiße Frau ist, die sich sehr dramatisch von patriarchalischen Strukturen befreit.

[Ehrlich gesagt, hatte ich immer ein Problem mit „Feminismus“. Ich wollte mit ganz bestimmen Menschen nicht in einen Topf geworfen werden, aber dann entdeckte ich andere Feminismen, Gott sei Dank!]
Ich kann mir vorstellen, dass schon bei weißem Feminismus, bei dem Kolonialismus, Migration und Religion vielleicht nicht mitgedacht werden, die Frage nach sexueller Selbstbestimmung viele Seiten füllen könnte. Für mich sind solche Debatten meist ermüdend, weil sie ordentlich an den Dingen, die wirklich interessant für mich sind, vorbeischießen. Mein Körper wird nicht nur von sexistischen, männlich-dominierten Diskursen reguliert. Mein Körper ist nicht nur „weiblich“. Meine Sexualität wird nicht nur von weißer Mehrheitsgesellschaft oder ausschließlich von meiner „patriarchalischen, primitiven Kultur“ fremdbestimmt.
Ich muss mich mit mehr als einem Diskurs befassen um zu verstehen, wieso ich mir mit 13 Jahren das erste Mal die Haut „gebleacht“ habe, wieso ich erst mit 18 das erste Mal mit einem weißen Deutschen befreundet war, der mich exotisiert hat ohne mich im Geringsten damit verletzen zu können, wieso mein Körper von den meisten Ausländerinnen* mit denen ich aufgewachsen bin, als hässlich empfunden wurde und wieso unser Nachbar gestern mit völligem Unglauben und sichtlicher Empörung darauf reagiert hat, dass ich ausgezogen bin ohne geheiratet zu haben („Die Frau zieht aus wenn sie heiratet, das ist bei uns so!“ – Womit er recht hat, Ausziehen habe ich mir hart auf vielen Ebenen erkämpft).
Dazu muss ich noch sagen, dass ich in den letzten 2 Jahren, seitdem ich eben „ausgezogen“ bin, festgestellt habe, dass meine Geschichten an anderen Orten nicht so normal sind wie dort, wo ich herkomme. In dem Stadtteil aus dem ich komme, kennt jede*r jede*n und du siehst einfach selten echte Deutsche auf der Straße. Wir haben uns übrigens nie als Deutsche definiert, ich habe mich nicht mit „Weißsein/Deutschsein“ oder so beschäftigen müssen bis ich nach Berlin kam. Erst dann wurde mir bewusst, dass „Wo kommst du her“ nicht mit Solidarität, Interesse, Gemeinsamkeiten, lustigen Geschichten, „dann-kennst-du-bestimmt-[…]“ usw. zu tun hat, sobald die Frage von Weißen gestellt wird (davor wurde ich glaub ich nie von Weißen gefragt, außer von Lehrer*innen vielleicht). Jedenfalls muss ich wegen solcher kultureller Unterschiede innerhalb Deutschlands immer sehr weit ausholen, wenn ich außerhalb meines Frankfurts über alles spreche, was mich zu der gemacht hat, die ich bin.
Naja, zurück zur sexuellen Selbstbestimmung. Wenn ich einen eindimensionalen Kampf führen würde, wenn ich nur für eine und gegen eine Sache wäre, wenn ich einen Lebensentwurf hätte, der nicht auf allen Ebenen gleichzeitig widersprüchlich und genial wäre, dann wär ich vielleicht soweit hier aufzuschreiben, was genau für mich Selbstbestimmung ist. Wie ihr euch gerade denken könnt, bin ich nicht so weit und will es auch nicht sein. Der Diskurs um sexuelle Selbstbestimmung schließt mich, wie viele anderen Diskurse auch, aus. Deshalb werde ich nicht daran teilnehmen. Er ist so konzipiert, dass ich unter Druck gesetzt werde, mich genauso gut und vorbildlich zu „befreien“ wie weiße Feministinnen*. Er ist so konzipiert, dass ich jedes Mal ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich nicht emanzipiert genug bin um irgendwelchen Erwartungen gerecht zu werden, die das Label „Feministin“ so mit sich bringt. Wenn ich mitmachen will, müsste ich mich irgendwo im Kampf gegen Diskriminierung von muslimische/südasiatische Frauen in weißen patriarchalischen Strukturen positionieren, also immer gegen Vorurteile und Befreiungsversuche und Exotisierungen von Mainstreammedien und Feministinnen ankämpfen und gleichzeitig natürlich die heteronormativen Strukturen der weißen Mehrheitsgesellschaft in Frage stellen, das Konzept der Ehe, Familie, Sex, Beziehungen, Schönheitsideale, also Dinge von denen auch weiße Frauen betroffen sind. So ungefähr wird mir von den Schwestern vermittelt, wie es „richtig“ geht mit dem Feminismus.

Für mich ist das ehrlich gesagt sehr wichtiger, aber meiner Realität ziemlich ferner Quark. Meine tatsächlichen Probleme haben keine Platz in den Diskussionen, ganz im Gegenteil fühle ich mich unter Druck gesetzt und schweige sie tot. „Jetzt bloß keine Vorurteile bestätigen, sonst spiele ich dem weißen Mainstream-Feminismus in die Hände, ich muss doch jetzt beweisen, dass ich als muslimische Frau genauso emanzipiert bin wie alle anderen, außer eben dass ich rassistisch diskriminiert werde.“
Wieso ist meine Existenz eigentlich so unangenehm für viele? Ja, ich werde rassistisch und sexistisch diskriminiert. Ja, die weiße Mehrheitsgesellschaft und Medien reproduzieren gefährliche Stereotypen. Ja, ich erfahre Sexismus in meiner Community. Ja, ich, als muslimische, südasiatische Frau habe andere Probleme als weiße Frauen, weil ich nicht nur in weißen Strukturen aufgewachsen bin. Ja, ich war mein Leben lang von Sexismus in meinem Umfeld und meiner Community, die strukturell mein Leben am meisten beeinflusst hat, betroffen.
Und jetzt wird mir in euren feministischen Kreisen das alles aberkannt. Wenn ich vor irgendeiner kritisch-weißen Person sitze und davon erzähle, folgt peinliches Schweigen. Da sind die wieder, die bestätigten Vorurteile. Wieso wird mein Leben nochmal auf Klischees oder Nicht-Klischees reduziert?
Wenn ich vor einer „Person of Color“ sitze, die in einem weißen Umfeld aufgewachsen ist und den ganzen Community-Scheiß nicht verstehen kann, folgt ein „halt-die-Klappe-das-hilft-niemandem-in-unserem-Kampf-gegen-Rassismus“. Ich erkenne eure Kämpfe an, was ist aber mit meinen?
Nun, wohin mit mir?
Gestern saß ich mit meinen Mädels beim Tee und wir redeten über unsere fast kollektive Beziehungsunfähigkeit. Es folgten Analysen, mit welchen Männern würde es klappen, mit welchen nicht und wieso. Wir stellen fest, dass uns bei der Wahl Faktoren beeinflussen würden, die sehr spezifisch für uns sind. Ich könnte halt nicht auch mit dem besten Deutschen ankommen, ohne dass es irgendwo Schwierigkeiten im Umfeld, in der Familie gibt. Es folgt allgemeine Zustimmung. Keine Klischees. Jede kann sagen was sie will. Kein pseudo-strategischer Feminismus. Keine Politik. Real Life.

Wenn ich gezwungen werde, meine Probleme totzuschweigen, kann ich eben auch nicht meine Erfolge feiern. Und ich habe viele Erfolge zu feiern, die für viele, die meinen für mich zu sprechen, Selbstverständlichkeiten sind. Ich befreie mich hiermit von dem Druck und der Heuchelei, von allen hochgebildeten Feministinnen of Color die in ihren Befreiungskämpfen gegen rassistische Repräsentationsregimes unsere ökonomisch und strukturell unterprivilegierten Communities mit ihren echten Problemen ignorieren. Es tut mir leid, dass ich ein paar von den Vorurteilen bestätige, gegen die ihr kämpft, wenn ich gerade versuche auf den Scheiß hier klarzukommen.

 

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P.S.: Ich mach das schon – wie ich lernte mein Blut selbst zu entsorgen

Danke

Danke für eure tollen Beiträge zu meinem letzen Post. Das war ein wirklich schönes Gefühl von Solidarität und es tat gut euch zu lesen! Und tatsächlich, einige von euch hatten noch Tipps, die ich bisher nicht so bewusst wahrgenommen hatte.

Dafür hab ich euch vegane Cupcakes gebacken und für den B12 Ausgleich gibts hier Abhilfe.

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Ich möchte gerne heute noch einmal auf eure genannten Tipps zu sprechen kommen und mit euch weiter überlegen, was uns wie helfen könnte.

Ich sammel hier noch einmal alle genannten Tipps:

  • freie Menstruation (Buchtipp Caroline Oblasser “Regelschmerz ade! Die freie Menstruation: Methode ohne Binden, Tampons und Co.”)
  • Buscopan
  • Wärmflasche
  • Badewanne
  • hormonelle Verhütung
  • Bei Verdacht auf Endometriose evtl. OP
  • Scharfgabentee/ Tees
  • Yoga
  • Sport
  • Masturbation/ Orgasmen
  • Schwangerschaft
  • B12 und Magnesium Haushalt im Auge behalten
  • Gluten- und Laktosefreie Ernährung
  • Akupunktur
  • Metamizol
  • Homoöpathie
  • Wechselduschen
  • Seed Cyrcle

Mensch…..fällt euch was auf? Das is ne ganze Menge, die uns da angeboten wird. Ne ganze Menge, die mit Kosten und/oder evtl. gesundheitlichen Folgen verbunden ist.

Aber da fehlt was! Merk ihr’s? Keinerlei Tipps für unsere Umwelt! Ich würde mir so wünschen, dass sich auch meine Umwelt wenigstens ein klitze kleines bisschen an meine Regelmässigkeit anpasst. Ihr auch? Im Zuge des letzten Post wurd mir dieser Text empfohlen und ich würde in unsere Debatte bzw. unseren Austausch gerne noch eine politischere Ebene mit einbringen.

In dem oben verlinkten Artikel lese ich:

menstruieren wird meist als individuelles problem der person, die menstruiert angesehen. wenn eine_r probleme mit der eigenen regelmäßigen blutung hat, wie schmerzen, schlechte laune, unwohlsein oder scham, dann gibt es meist individualisierte ratschläge: schmerzmittel, hormoneinnahme, vielfältigste hygieneangebote. die frage, was diese probleme bedingt, wird sich eigentlich nie gestellt.

Nun meine Frage:

Was für eine Umwelt brauchen Menschen die (schmerzhaft) regemässig Bluten ?

Stimmt ihr der Aussage (ebenfalls im o.g. Text) zu, dass bluten politisch ist und alle etwas angeht?

Wenn ja, was für Konsequenzen wollen wir daraus ziehen?

An dieser Stelle möchte ich abschließend auf Manus Frage eingehen:

Wie meinst du das eigentlich mit der Selbstbestimmung durch den MoonCup? Ich finde, dass man zumindest was Nachjustieren/Ausleeren angeht, noch viel mehr an hygienische Bedingungen gebunden ist, als das bei Tampons/Binden der Fall ist. Ich hab den Cup oft nicht sofort so hinbekommen, dass er dicht war – das auf der Bürotoilette (unisex, Waschbecken im nicht verschließbaren Vorraum) zu richten, war kaum möglich. Hab’s dann leider aufgegeben. Würd ihm aber gern noch eine Chance geben. Hast du da vielleicht irgendwelche Tipps?

An Anfang hab ich auch etwas rumgehampelt aber nach mehrmaligem testen, in Ruhe daheim bei mir da lief es wie geschmiert gings dann problemlos und dicht. Der Cup kann auch in auf der Toilette einfach gut mit Klopapier ausgeschwischt  und dann wieder eingeführt werden. Die Hände auch gtu amputzen und dann kann ohne Probleme ans allgemeine Waschbecken heran getreten werden. Lieb_er Manu, versuchs doch noch mal…vielleicht klappt es ja jetzt!

Tatsächlich erlebe ich den Cup als totale Selbstbestimmung. Ich bin nicht mehr angewiesen auf den einen nahe gelegenen Supermarkt oder einen Mülleimer im WC. Egal wo ich bin, der Cup bzw. das Blut kann direkt mit ins Klo oder in den Fluss oder wo auch immer ich gerade rum hänge. Das ist klasse.

Das Einführen klappt, für mich , auch wirklich problemlos….schwubdiwupp:

Ein weiterer Punkt der Selbstbestimmung: Ich achte viel weniger auf nervige “Hygieneartikel” Werbung. Ich hab das Gefühl, das meine Blutung weniger ökonomisiert wird und ich mich ein Stück weit von den Konsumzwängen befreit haben, die an Menschen, die bluten herangetragen werden.

Und wenn dann doch mal wieder ein Macker Mensch eine unpassende blöde Bemerkung über mein Blut und meine Blutung und sowieso und überhaupt macht…tja, dann bleibt am Ende immer noch eins. Und zwar: zack den Cup ins Gesicht. Bam.

In diesem Sinne…..ich wünsche allen denjenigen, die schmerzhaft bluten baldige Linderung und denen, die nicht bluten, aber gerne bluten würden: Zuversicht und Selbstvertrauen.

Solidarische Grüße

Di Hia


Regelmässig schmerzhaft – Guess what woke me up AGAIN

Es ist vier Uhr nachts. Ich werde durch ziehende Schmerzen im Unterleib wach und habe das Gefühl, dass ein tiefes Loch versucht mich in einen Strudel hinunter zu ziehen. Die Schmerzen sind unerträglich und ich kann nicht wieder einschlafen. Mein Kopf pocht und eine rote Nachrichtenwelle überschwappt mein ganzes Ich……….

Jetzt liege ich wach. Die erste Träne kullert über meine Wange. Es tut so weh. Die Schmerzen ziehen in den Rücken und meine Beine. Ich kann nicht aufstehen. Wohin soll ich auch gehen? Zum Medikamentenschrank? Seit mehr als zehn Jahren weiß ich: mir helfen keine Schmerzmittel. In die Küche? Wärmflasche? Schokolade? Tee? Hilft nicht, alles schon versucht. Licht an, lesen? Ich kann nicht, es tut zu weh. Ich krümmel mich zusammen und beweine mich. Das ist immer so.

Einmal im Monat habe ich so eine Nacht. Der Tag danach ist mässig. Ich bin müde und schlecht gelaunt. Fange bei jeder Kleinigkeit an zu weinen, habe immer noch Schmerzen und ärgere mich über meinen Körper. Ich möchte den ganzen Tag im Bett liegen und die Welt vor mir schützen. Das geht aber nicht, weil ich funktionieren muss und arbeiten muss und freundlich sein muss. Und weil ich stark sein will und meine Schmerzen nicht zeigen mag. Aber das schaff ich nicht. Mein Rücken tut weh, der Bauch wird immer schwerer und droht in dem Loch zu versinken. Mir ist schwindelig.

Ich wünschte ich könnte mir Ruhe gönnen. Vielleicht doch Schokolade oder Kuchen essen. Aber alles würde mich immer nur an das eine erinnern:

Ich muss zur Arbeit. Würg. Leider hab ich bisher noch kein Hemd und Anzughose gefunden, die auch an diesen Tagen bequem sind. Ob ich im Joggingsanzug in die Arbeit gehen kann? Wirklich froh bin ich mittlerweile, dass ich mich wenigstens von Binden oder Tampons verabschiedet habe und einen Teil der Selbstbestimmung durch den Moon Cup wieder erlangt hab. Der ist echt klasse. Kann ich euch nur empfehlen.

Vor zwei Jahren äußerte meine Frauenärztin den Verdacht auf Endometriose. Einige der Symptome trafen auf mich zu und ich entschloß mich zur Operation, in der Hoffnung,dass ich von diesen grauenhaften Schmerzen befreit werde. Nach der OP erklärt mir der behandelnde Arzt, dass er nichts gefunden habe und es im Grund nur zwei Möglichkeiten gäbe, diese Drecksschmerzen los zu werden:

  1. hormonelle Verhütung
  2. Schwangerschaft

Zur hormonellen Verhütung lese ich folgendes:

Risiken und Vorteile hormoneller Verhütung

Hormonpräparate sind hochwirksame Arzneimittel und deshalb verschreibungspflichtig. Wenn Sie hormonell verhüten wollen, müssen Sie vor der ersten Einnahme unbedingt einen Frauenarzt oder eine Frauenärztin aufsuchen, um Risikofaktoren und mögliche Nebenwirkungen abzuschätzen. Abhängig von Ihrer persönlichen Situation können bestimmte Präparate geeignet sein oder auch nicht in Frage kommen.

Die Pille greift tief in den Hormonhaushalt und damit in den gesamten Stoffwechsel ein. Aufgrund der heute recht niedrigen Hormondosierungen sind manche Präparate auch für junge Frauen geeignet, die noch im Wachstum sind, aber gerade eine besonders sichere Verhütung brauchen.

Trotz der meist geringen Nebenwirkungen, bleibt die Pille ein sehr wirkungsvolles Medikament mit möglichen Risiken:

Thrombosen:
Die Östrogene in der Pille verkürzen die Gerinnungszeit des Blutes und machen es dickflüssiger. So kann es zu Verstopfungen in Blutgefäßen kommen (Thrombose), die sich im schlimmsten Fall lösen und zu einer Embolie führen können. Dieses Risiko besteht auch bei den niedrigdosierten “Mikropillen”. Eine Frau, in deren Familie vermehrt Thromboseerkrankungen aufgetreten sind, sollte u. U. besser eine alternative Verhütungsmethode wählen. Besonders gefährdet sind außerdem Raucherinnen, stark übergewichtige Frauen und Frauen, kurz nach der Entbindung.

Kopfschmerzen:
Durch das schlagartige Absinken des Östrogengehalts im Blut nach 21 bzw. 22 Tagen Pilleneinnahme kann es zu so genannten Entzugskopfschmerzen kommen. Hier hilft häufig die Umstellung auf Gestagenpillen.

Zwischenblutungen:
Die niedrig dosierten Mikropillen verursachen oft ungefährliche Zwischenblutungen. Eine höher dosierte Pille wirkt dem meist entgegen.

Brustkrebs:
Die Pille selbst löst nach aktuellen Erkenntnissen keinen Krebs aus. Dennoch sollten sich vor allem Frauen mit Brustkrebs ausführlich beraten lassen, ob für sie nicht eine andere Verhütung günstiger ist.

Bei folgenden Risikofaktoren sollten Sie mit einem Arzt oder einer Ärztin über Verhütungsalternativen sprechen:

  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • starkes Übergewicht
  • Diabetes mellitus
  • Neigung zu Krampfadern und Thrombosen
  • Embolien oder Schlaganfall
  • Lebererkrankungen oder Gallensteine
  • Migräne oder Epilepsie

Wechselwirkungen
Wenn Sie gleichzeitig Antibiotika, Anti-Pilzmittel oder Schmerz- und Beruhigungsmittel einnehmen, kann das die Wirksamkeit der Pille herabsetzen. Das gilt ebenso für die Einnahme von Psychopharmaka, Mitteln gegen Migräne und Bluthochdruck, Epilepsie und Allergien.

Durch Erbrechen kurz nach der Pilleneinnahme oder Durchfall werden die Hormone vorzeitig ausgeschieden. In diesem Fall muss zusätzlich eine Pille eingenommen werden.

Seltene Nebenwirkungen sind Lustlosigkeit, Reizbarkeit, Gewichtszunahme durch verstärkten Appetit, Übelkeit, Brustspannen und Scheideninfektionen. Falls diese Beschwerden auch bei niedrig dosierten Pillen auftreten, können auch seelische Belastungen die Ursache sein.

Vorteile
Andererseits können sich durch die Pille auch manche hormonbedingte Beschwerden bessern: Myome schrumpfen und Zysten der Eierstöcke oder eine Endometriose können sich zurückbilden. Auch Blutungsstörungen und Zwischenblutungen können verschwinden sowie Periodenschmerzen schwächer werden.

Durch antiandrogene Wirkstoffe (Cyproteronacetat) in manchen Pillen wird die Wirkung überschüssiger männlicher Hormone blockiert. So kann sich bei hormoneller Verhütung auch eine Akne bessern oder “männlicher” Haarwuchs vermindern.

Tja, und zum Thema Schwangerschaft fiel mir damals eigentlich nur das hier ein:

So weit so schlecht. Damals hatte ich eine tolle Gesundheitspflegerin. Die hat mir Luna Yoga empfohlen. Und mir dazu das Buch “Die bewegte Frau” von Adelheid Ohling geliehen. Das hat ein bisschen geholfen. Gut taten auch einige Shiatsu Sitzungen.

Aber irgentwie hilft alles nicht so richtig. Ich hab das Gefühl ich hab alles versucht und hoffe einfach, dass diese Tage immer erst am Wochenende kommen, so habe ich bei der Arbeit keinen Krankenstand zu melden.

Verdammt noch mal, warum zieht das so fies durch den ganzen Körper? Puh. Ob ich mich doch für die Pille entscheide? Wohl ist mir dabei nicht….

Als ich eben ein bisschen bei einer Freundin über den Facebookchat übr mein Leid gequengelt habe, konnte mir diese folgenden Rat geben:

Nach der Schwangerschaft wirds besser

Lol. Yes, that’s what they keep telling me.

Aber ihr bester Tipp war:

Vielleicht solltst du mehr masturbieren, das entspannt ungemein.

Und das meine lieben, klingt nach dem perfekten Ratschlag in jedem Fall. Ich will mich nicht mehr darüber ärgern, dass ich so wenig über meinen Körper weiß und mich nicht auskenne etc. Ich will nicht in Selbstmitleid untergehen, sondern brauche jetzt etwas was mir gut tut…….Also schlüpfe ich jetzt raus aus dem Jogginganzug und mache es mir in meiner Badewanne gemütlich.


Mein Körper gehört mir #2 — N_Ich_t Frau

Klicken, gucken, denken, lachen, weinen, kritisieren, zustimmen, schimpfen, schreien, freuen :’]

Zum selben Thema schreibt Andy Misandry einen Artikel, in dem ich mich sehr wiederfinde.

Mein Körper gehört mir #1 (zum Thema Achselhaare) gibt’s ab dem 15. April in allen gut sortierten Zeitschriftenläden in der Preziösen.

 

von anna- Schwelle


Mutter(un)Glück

Als vor einigen Wochen mein monogames hetero-bald-wollen- wir- Kinder- Kartenhaus ziemlich plötzlich und für mich unerwartet zusammen fiel, hatte ich gefühlt zwei Möglichkeiten:

Schnell ein neues Kartenhaus bauen, mit einem Bauleiter, der besser zu mir paßt – oder mir die Bauzeichungen selbst mal anschauen, mit den Architekten (ohne innen) und Bauzeichner*innen reden und am Ende selbst meine Entwürfe zeichnen. Ich entschied mich für Möglichkeit Nummer zwei. Mit dem Risiko, das Haus gegen eine Wohnung einzutauschen und auf eigene Kinder (vorerst) zu verzichten und auch, um eventuell fest zustellen, dass ich eigentlich gar nicht an ein Leben als Frau _von oder Tochter _von oder eben Mutter _von interessiert bin und außerdem viel lieber eine Bauleiterin als einen Bauleiter an meiner Seite haben möchte und ab und zu auch einfach mal Wohnungen wechseln ganz aufregend finde.

Jetzt bin ich schon einige Wochen auf meiner eigenen neuen Großbaustelle. Ich muß immer noch viel Schutt beseitigen und habe staubige Wimpern und rissige Hände. An manchen Tagen frage ich mich, warum ich eigentlich immer so schmerzhaft aus meiner Comfort Zone rauspresche und mich nicht einfach wie alle anderen auch (sic!) mit dem zufrieden geben kann, was die Biologie aka das Patriarchat für uns vorgesehen hat.  Es ist wohl immer mal wieder nötig zu erwähnen, das Aktivismus und Herrschaftskritik kein Hobby sind, sondern notwendiger Alltag für Menschen, die negativ von –ismen betroffen sind.

Also damit wir uns verstehen: das schmerzt grad alles ziemlich, dieses Hinterfragen und Dekonstruieren und Feststellen, dass das und das und das irgentwie nicht grad zu passen scheint. Für mich. Heute. Was morgen ist, weiß ich nicht. Und alle möglichen Bauleiter*innen geben mir liebevoll zu verstehen, „Da mußt du jetzt alleine durch.“ Muß ich auch. Will ich auch.

Ich will mich bewußt für das Leben entscheiden, das ich vorhabe zu leben. Und dafür brauch ich Klarheit. Klarheit was die Menschen meinen, wenn sie mich fragen:

Und, wann ist es bei dir/euch soweit?, Du wärst sicher eine tolle Mama

oder best one:

Ach wart mal ab, du hast nur noch nicht den Richtigen (sic!) gefunden.

Fremdbestimmung go fuck yourself!

Worüber wollte ich noch mal schreiben? Ach ja über Mutterschaft.

(Und Anna Schwelle fragt: Di Hia wo ist eigentlich deine Wut? Du bist doch wütend, oder?)

hier hatte ich schon ne menge geschrieben. das lösche ich jetzt.

Ja, ich bin wütend. Ich bin verdammt wütend und möchte hier und da einige Rahmen_bedingungen und Fertig_bauhäuser zerstören und laut schreien:

Dass ich mich gerade so einsam und verlassen fühle, ist teil eures scheiß plans! Ihr (you know who you are) wollt, dass frauen sich so unsicher und falsch fühlen! Damit wir am ende doch in die knie gehen vor haus und hof und kind und mann. Patriarchat, du miese kleine Scheißhausfliege! ich dachte die ganze zeit, dass is hier so voll das individuelle ding – ey aber ne! das betrifft nicht nur mich, sondern meine grübelei ist ergebnis eurer gewollten asymmetrie in dieser welt! fick das! und ich bin nicht in dieser situation weil ich Di Hia bin, sondern weil ich eine frau bin. und solche momente teil der lebensrealität von frauen sind.

Es gehört zu meiner Lebensrealität als Frau, dass ich mir früher oder später gedanken über kinder kriegen mache. und es gehört auch dazu, dass sich gott und die welt ebenfalls dazu äußert.

welcher mann muss sich denn bitte so über vaterschaft gedanken machen, wie wir frauen über mutterschaft? alta! mutterschaft und der wunsch nach autonomie und individualität….in einer gesellschaft wo eben hinter jeder ecke eine neue abhängigkeit, fremdbestimmung und andere scheiße lauern. welcher vater muss sich ernsthaft gedanken über seine berufliche karriere und die vereinbarkeit mit der vaterrolle machen? Vaterschaft als Institution existiert doch nicht einmal!

I wonder why…..

Boah.

schreibblockade. oder schrei_blockade?

denkblockade.

teil des spiels.

zurück zum start.

karten neu mischen.

ey und trotzdem: immer wieder hab ich solche momente, in denen ich mir nichts sehnlicher wünsche als so eine bilderbuchfamilie. als ob mein glück davon abhängen würde. aber ich hab das noch so drin.  mein leben hat nur wert, wenn ich dieses bilderbuchleben kriege.

nein.

denn

  1. ich bin mir selbst am wichtigsten. meine beziehung und liebe zu mir zählt mehr als alles andere.
  2. beziehungen sind wichtig und schön. wie diese beziehungen sein sollen, bestimmen nur die involvierten personen.
  3. ich bin die hauptdarstellerin in meinem film. it’s all about me. not about you. ihr habt neben _rollen in meinem film und ich in eurem. und das ist ok. wir sind unsere eigenen hauptfigur, der rest ist deko.

Je intensiver ich mich auf dieser Baustelle aufhalte, desto stärker werden meine feministischen Kritiken und ich empfinde es als notwendig bestimmte Antworten auf meine Fragen einzufordern.

Bei meiner Recherche zum Thema Mutterschaft stoße ich auf diesen Blogeintrag und dieses Zitat hallt seit Tagen in meinem Kopf:

pregnancy does not belong to the woman herself

Genau, denke ich mir. Mutterschaft ist keine Privatsache, sonder pure Politik und lese weiter:

Die Schwangerschaft gehöre nicht der Frau selbst, weil sie nur als passive Hülle für den Fetus objektiviert werde und weil die Medizin die Schwangerschaft allein als Prozess konzipiere, der latent pathologisch sei und deswegen mit technischen Instrumenten überwacht werden müsse. Auf diese Weise werde die Frau von ihrem Körper entfremdet und ihr Empfinden abgewertet.

Mutterschaft ist ein Konstrukt, das unter hegemonialen Gesellschaftsverhältnissen propagiert wird und ich frage mich wie einzelne Mütter sich etwas Privatsphäre in diese fremdbestimmte Rolle bringen können. Ich denke an meine wunderbaren Freundinnen, die Mütter sind (eine davon bloggt schönerweiseweise auch seit kurzem). Ich frage mich, wie ihr das schafft mit dieser internalisierten Rolle umzugehen ohne durchzudrehen. As far as I can tell, macht ihr das toll. Aber was weiß ich schon, wie der Alltag für euch, besonders die Alleinerziehenden aussieht. Ich weiß nicht wie das für euch ist, wenn ihr von Menschen beurteilt werden, die sich für die Mutterpolizei halten. Ich weiß nicht mal, ob ich selbst zu euch manchmal so bin, als würdet ihr “nur”noch aus der Mutterschaft bestehen. (Was soll das denn überhaupt sein, “nur” noch Mutterschaft…) Denn neben Mutterschaft gibt es eben noch so viel anderes was euren Alltag bestimmt.  Genauso stell ich mir das vor, als Mutter muss ich immer klar haben, dass meine Handlungen von der ganzen Gesellschaft beobachtet und beurteilt werden……

Wie schaffe ich die Gratwanderung zwischen sein und Mutter sein? Ich kann mich dafür entscheiden, dass es mir egal ist, was Menschen von mir denken aber welche Auswirkungen hat das auf mein Kind?

Die Fragen stellt sich sicherlich nicht nur die Autorin von me, myself & child.

Mutterschaft wirkt auf mich momentan aber alles andere als erfreulich, sondern eher bedrohlich. Ich bin wohl auch nicht die einzige, die sich Fragen zu dem Thema stellt. Wie ich u.a. hier und hier lese.

Und bei meinen Gedanken zur praktischen Umsetzung Familie vs. Beruf stoße ich hier  auf folgendes Problem:

Gäbe es da nicht dieses konservative “Ideal” der Gestaltung der Mutter-Kind-Beziehung, das permanent an mich herangetragen wird. Es kommt ungefähr so daher: nach einer “natürlichen” (=vaginalen) Geburt, wird das Kind solange gestillt (und getragen) wie das Kind (und der Mann und das restliche Umfeld) das möchte. Mama (und bitte nur Mama) bleibt zumindest bis zum dritten Lebensjahr des Kindes “zuhause” (=erwerbsarbeitet nicht). Wenn es das Einkommen des “Alleinverdieners” ermöglicht, gerne auch länger. Abweichungen von diesem Ideal müssen entweder mit Not entschuldigt (“Ich muss arbeiten, wir können uns das sonst nicht leisten”) oder permanent gerechtfertigt werden.

Eine andere Bloggerin spricht die ungleichbehandlung bei der kinderbetreuung an:

In vielen traditionellen Familienkonstellationen (Vater, Mutter, Kind) ist es der Mann, der einer (ganztags) Erwerbsarbeit nachgeht. Ihm steht entsprechend einer konservativen Auffassung von Arbeit auch Erholung zu. Der Grundirrtum liegt dabei in der Definition von Arbeit, die in den Köpfen vieler nach wie vor die unbezahlte Reproduktionsarbeit nicht miteinschließt.

Uff. Also noch mal: so verlockend klingt Mutterschaft grad nicht. es macht mir angst. aber ich kann die angst nicht richtig filtern. habe ich vielleicht auch angst, nicht die person zu finden, die mutterschaft mit mir doch zu einem tollen traumhaus zaubert? kann ich es schaffen, mir selbst diese person zu sein?

ich glaube einfach….da liegt einiges im argen. und ich glaube, dass unsere frauen- und mutterfeindlichen strukturen und umgangsformen die luft ziemlich verpesten.

und ich kann euch versichern, dass wenn sich nicht einiges ändert, werden wir in nicht all zu langer zeit many angry women haben, die das patriarchat unschön zu grunde richten werden. mich inklusive.

Und ich frage mich ja, ob mutterschaft und feminismus zusammen passen. nein, als feministin solle ich mich wohl eher fragen: warum sollte diese wahl einer frau NICHT ins feministische konzept passen?

Melanies Gedanken dazu finde ich auch spannend:

Drei Punkte, die ich für eine feministische Mutterschaft wichtig finde:
1. Sich kein X für ein U vormachen lassen!

2. Naivität kann sich keine leisten.

3. Statt das eine Muttermodell über das andere zu stellen, gemeinsam gegen die politischen und gesellschaftlichen Zustände stellen.

Eine Freundin von mir hat mir auch klar ihre Meinung zum Thema Mutterschaft gesagt:

  • Familienstrukturen und -bände sind Orte von (sexualisierter-) Gewalt gegen Frauen, diese Orte müssen eingegrenzt werden und re_produktion ungleicher Machtverhältnisse gehören bekämpft

  • Die Entscheidung gegen eine Mutterschaft ist eine Art des Widerstand, der als notwendig und konsequent gegen frauenfeindliche Strukturen verstanden werden kann.

  • feministische Mutterschaft kann nicht existieren.

  • In einem misogynen Unterdrückungssystem ist die Entscheidung zur Mutterschaft niemals wirklich freiwillig.

Puh. Und jetzt?

Ist eine verweigerte Mutterschaft am Ende doch der beste widerstand? Sollte ich das Thema Mutterschaft vielleicht einfach abhaken und auf dem Bauplan das Kinderzimmer in eine Bibliothek verwandeln?

Ich finde Kinder wirklich toll. Mein Herz wird warm und aufgeregt wenn ich Kinder um mich habe. Wo kommen diese Gefühle her? Hab ich diese ganze Frau sein = Mutter sein Rolle so sehr internalisiert, dass meine Gefühle mir etwas kommunizieren, was ich vielleicht doch gar nicht will?

Welche überlebensstrategie tut mir gut? Welchen Lebensentwurf möchte ich?

Wenn ich Kinder so klasse finde, könnte ich doch in einem Berufsfeld arbeiten, wo ich sie um mich habe? Ist Mutterschaft der einzige Weg? Die Rolle der Tante klingt nach dem ganzen Lesen eigentlich auch verlockend. Und so lange ich so tolle Kids wie Ms. T. z.b um mich haben kann, ist eh alles gut.

Unsere Entscheidungen sind politisch und werden dem entsprechend hart beurteilt. mutterschaft ist ein thema über dass sich die ganze welt auslässt, weil es uns frauen betrifft. weil frauen und ihre körper als ob unser frau sein und unsere körper voneinander unabhängig wären…also noch mal: weil frauen allgemeingut und thema sind. weil mit uns die welt steht oder kippt. weil unsere entscheidungen top oder flopp bedeuten. stellt euch bitte mal die energie vor, die wir frauen ins leben rufen können, wenn wir uns dieser ganzen scheiße (Fremdbestimmung) verweigern würden! seriously!

Eben Spinat-Dattel Smoothie machen. Puh. Einatmen.

Ich werde wohl heute nicht zur ganzen Antwort kommen. Ich weiß auch nicht genau, was mich gerade so auf die palme bringt: mutterschaft oder die tatsache, dass mein leben gerade von verliebt zu verlobt zu sitzen gelassen gesprungen ist.

Eine Mischung?

Nach dem lesen der ganzen bestehenden Gedanken zur Mutterschaft wünsche ich mir, dass ich es schaffe allen Müttern um mich meine Solidarität zu kommunizieren. Meine Bewunderung und meine Solidarität dafür, dass sie sich für diese Rolle entschieden haben und damit eine Reihe von Verletzungen und Asymmetrien im Alltag in kauf nehmen. Alle virtuellen Daumen und auch die echten gehen hoch für euch, dass ihr euch für ein Leben mit Kindern entschieden habt.

Ebenso gehen alle Daumen hoch an diejenigen unter euch, die sich gegen eine Mutterschaft entschieden haben oder entscheiden mussten. Auch euch spreche ich meinen vollen Support aus!

Und auch die Frauen, die sich nach der Geburt für eine Adoptionsfreigabe entscheiden oder im laufe der Mutterschaft merken, dass diese Rolle ihnen nicht passt.

Was ich schön fände, wäre ein Austausch über nicht_ Mutterschaft. Unter Frauen, versteht sich.

Was brauchen wir, um selbstbewusst mehrere Rollen miteinander zu vereinen?

Noch mal Helm auf und ab auf die Baustelle. Ich merke, da gibts noch einiges zu tun. Schon n krasses Projekt was ich mir da ausgesucht hab. I was pretty fine before I heard about feminism, u know?! Ich glaub ich zieh mich jetzt etwas zurück. Ich hab unbebautes Land, einen Garten zu bepflanzen und außerdem bin ich ziemlich gut im Luftschlößer bauen.

Ich vermute, dass ich das Konzept von Highheels hassen und sie dennoch mein Leben lang tragen kann. Und ich kann das Konzept der Mutterschaft in frage stellen und trotzdem mutter werden.

remember: don’t hate the player – hate the game!

und in patriarchalen strukturen sind wir frauen eher die player und sollten uns nie gegenseitig dissen.

ich hoffe das wird hier klar: ich kritisiere nicht eure wahl, ich kritisiere ein konzept.

von Di Hia


Flaw Away Glitter

Here we are — launching a new, sparkly PRODUCT!!

Diese Video entstand für eine Performance der Luscious Gender-Bending Turbo-Quirky Idols und wurde im Dezember im Südblock im Flachbau gezeigt. L und ich waren ohne La Déesse unterwegs und beschäftigten uns grad mit Körpernormen für weiblich gelabelte Körper und insbesondere mit Achselhaaren. Und weil mensch bei der ganzen Wut im Bauch und bei aller ernstgemeinter Analyse und kritischer Reflexion auch mal ein bisschen Spaß haben muss (so zwischendurch), dachten wir uns, dass wir einfach unser eigenes Beauty-Product auf den Markt werfen könnten — den FLAW AWAY GLITTER. Vielen Dank an Morgana, für die schöne Idee und die lustige Umsetzung, die sehr sehr viel Spaß gemacht hat (und die Wohnung glitzert noch heute)!

Den Song dazu muss ich noch fertig stellen.  Aber ein Sneak-Preview gibt’s hier.

.-.

und…. Was soll das hier eigentlich?

-.-

Ist das nicht auch alles ein bisschen albern? Worum geht’s hier eigentlich?

‘.’

Ich dachte es geht hier um gender?

‘-‘

Ja, genau, und:

.

.

.

 

Ich hab’s satt, mich rasieren zu müssen, um „Frau“ zu sein!

            .

     Ich hab’s satt dass mein Körper mich darauf festlegt, „Frau“ zu sein!

                   .

            Ich hab’s satt, dass „Frau“ sein soviel mit bedeutet, was ich aber ablehne!

                            .

  Ich hab’s satt, dass ich meinen Körper verändern muss, um nicht mehr als „Frau“ wahrgenommen zu werden!

                                       .

  Ich hab’s satt, dass ich mich nicht rasieren darf, wenn ich Feministin sein will!

                                                 .

   Ich hab’s satt, dass jede Gegenposition wieder nur eine Parole ist, die ich übernehmen kann!

                                   .

          Ich hab’s satt, dass ich keinen eigenen Standpunkt finde zwischen all diesen Diskursen!

                                                                          .

       Ich hab’s satt, dass mir gesagt wird, ich müsste mich heute doch nicht mehr rasieren!

                                                              .

      Ich hab’s satt, dass diese Schönheitsideale so präsent sind, dass sie schon ganz normal geworden sind!

                                                                                   .

  Ich hab’s satt, dass ich schon selber nicht mehr weiß, was ich eigentlich schön finde!

                                                        .

                                              Ich hab’s satt, dass Schönheit in unserer Gesellschaft überhaupt ein relevantes                                                                                              Bewertungskriterium ist!

                  .

            Ich hab’s satt, dass ich sie trotzdem selber als Bewertungskriterium benutze!

 

Ja, scheiße… lass mal eine rauchen gehen.

Noch mehr von mir zum Thema Achselhaare findet ihr bald in der Preziösen… und wer weiß– vielleicht sehen wir uns bei der Release-Party?

eure Anna Schwelle


Féministes Radicales, Blogroll und Sexarbeit

All women have the right to speak out against the exploitation and objectification of women. Every single one of them.

Quote von feministcurrent

Unser Blogbaby entsteht gerade erst und wir feilen und klären und denken noch eine Menge nach über wies und was…ein Thema ist natürlich: Welche Links wollen wir euch hier nahe legen? Di Hia liest im Moment besonders viel zu radikal-feministischen Strömungen und bewegt sich viel in frankophonen feministischen Kreisen. Daher der heute besprochene Link. Vorweg: Der Link wird von uns nun nicht mehr unkommentiert in der Blogroll zu finden sein.

Für folgende Unterhaltungen schicken wir eine Contentwarnung zum Thema Sex und Sexarbeit voraus.

Di Hia: Unser Dialog entsteht ja aus unserer Unterhaltung darüber, welche Links wir in unserer Blogroll haben wollen. Ich hatte die Féministes Radicales verlinkt und du hast mich gebeten, dass wir das noch ein mal besprechen. So weit ich das verstanden habe, hat dich deren Positionierung zu Sexarbeit gestört. Magst du das zu Anfang einfach noch mal etwas ausführen?

Anna Schwelle: Naja, ich bin halt die Links in der Blogroll mal so durchgegangen und stieß auf der Seite von den féministes radicales auf diesen Artikel.

Di Hia: Was hat dich an dem gestört?

Anna Schwelle: Die Féministes Radicales posten ein Video, in dem die (Radikal-)Feministin Catherine MacKinnon sehr deutlich eine komplette Illegalisierung von “Prostitution” fordert und Sexarbeit im Allgemeinen als schädlich für die Sexarbeiterinnen (und Frauen im Allgemeinen) framed, bzw. Unterscheidungen innerhalb des riesigen Feldes der Sexarbeit (legal vs. illegal, zB) für ungültig erklärt. Mir ist das alles zu krass über einen Kamm geschert und mir scheint, dass hier den Sexarbeiterinnen eine eigene Stimme abgesprochen wird. Da die Féministes Radicales auf ihrer Seite das Video nicht weiter kommentieren, muss ich davon ausgehen, dass es ihre Einstellung zum Thema widerspiegelt. Das kannmöchte ich wiederum nicht unkommentiert in unserer Blogroll haben.

Di Hia: Meinst du, dass es etwas paternalistisch ist? So wie ich die RF verstehe, gehen sie davon aus, dass es im Patriarchat keine freie Wahl FÜR Sexarbeit gibt, da diese asymmetrischen Machtstrukturen eine Ungleicheit verursachen, in der die Frauen nicht wirklich eine Wahl haben. Sexarbeit also vielleicht als Überlebensstrategie im Patriarchat? Reclaiming the body?

Anna Schwelle: Natürlich ist Sexarbeit eine Überlebensstrategie im Patriarchat — wie übrigens alle möglichen anderen Dinge, die wir tun, auch. So lange keine finanzielle Grundsicherung für alle Menschen gegeben ist, wird unser Leben daraus bestehen, aus verschiedenen Lebensversionen, in denen wir jeweils bestimmte Opfer bringen/Kompromisse eingehen müssen, die für uns passendste auszuwählen. Das gilt für Sexarbeit und für jede andere bezahlte Tätigkeit ebenso. Wir können aber Sexarbeit auch genau andersrum framen, nämlich als Möglichkeit aus dem Glauben, Frauen müssten ihre Sexualität für eine monogame, romantische heterosexuelle Zweierbeziehung, für ihren zukünftigen Mann, für “den Richtigen” aufsparen, auszubrechen und sie stattdessen aktiv für ihre eigenen Zwecke zu nutzen – selbstbestimmt und auf Augenhöhe. Ich glaube übrigens persönlich, dass keine dieser beiden Versionen 100%ig stimmt.

Di Hia: Das finde ich einen spannenden Punkt. Also diese empowernde Idee. Und so wie long way up schreibt, die Ökonomisierung der Vagina hat längst stattgefunden. Warum also nicht zu einem selbstbestimmten Preis? Und was du zu Überlebensstrategien schreibst, das wird glaub ich im Alltag viel zu oft verdrängt.

Anna Schwelle: Mein Ansatz zu Sexarbeit wäre daher eher, sie rechtlich so zu regeln, dass den Frauen, die innerhalb ihres persönlichen Kontextes sich entscheiden, dieser Art der Arbeit nachzugehen, so viel Handhabe gegeben wird, dass es rechtlich zumindest unmöglich ist, ihnen die Kontrolle über die Situation zu entziehen. Und gleichzeitig auf kultureller und sozialer Ebene daran zu arbeiten, dass die Vagina nicht mehr schon per se als ein ökonomisiertes Gut wahrgenommen wird.

Di Hia: Es bräuchte wohl soziale und ökonomische Gerechtigkeit. Wie aber stellen wir die her? Also, ich meine, generell sind Frauen Männern nicht gleichgestellt. Wie bei so einem Serviceangebot wie Sexarbeit? Was mich bei Gesellschaftsthemen immer interessiert: wem bringt das was? Also wer hätte ehrliches Interesse an einer Änderung an der Situation von Sexarbeiter*innen, außer der Arbeiter*innen selbst? Hat unsere hegemoniale Gesellschaft da Interesse dran, diese Branche zu empowern?

Anna Schwelle: Hm. Gute Frage, ich finde aber, der Feminismus sollte ein Interesse daran haben. Eben weil es im Moment so sehr mit einem Stigma versehen ist, wenn Frauen sexuell sehr aktiv sind. Jetzt stell dir aber mal vor, ein Bordell wäre der Ort, wo nur Frauen die Regeln machen. Frauen setzen ihre eigenen Konditionen fest. Eine Frauendomäne. Sex als Frauendomäne. Ich weiß selbst grad nicht, was das für größere Auswirkungen und Implikationen hätte, aber ich finde es einen interessanten Gedanken.
…der auch ein bisschen verzwickt ist, natürlich. Das Patriarchat zwingt uns diese Idee auf, dass Sex etwas ist, was Frauen aufgeben, und diktiert uns die Konditionen, zu denen wir es aufgeben dürfen: Monogamie, Heterosexualität, Ehe, Kinderwunsch, “Liebe”, etc. Jetzt sagen Frauen: Nee. Wir geben es zu unseren eigenen Konditionen auf, und nur zu denen. Fuckya! (Auch wieder eine etwas romantisierte Vorstellung von mir, ist mir klar)

Di Hia: Ich frage mich gerade, ob ich mir vorstellen könnte dort zu arbeiten. Sex hat für mich nicht nur schöne Seiten, sondern ist auch mit viel Schmerz und Druck verbunden. Ich habe viele sexuelle Erlebnisse mit Männern gehabt, die mir ein unschönes Gefühl bereitet haben. Sex ist eine Performance, die ich im heterosexuellen Kontext im Schlaf (…) beherrsche. Ich glaub, das teile ich mit vielen Frauen. Wir wissen, wie wir uns verhalten müssen, damit der Akt so und so verläuft. Ich erinnere mich, und das ist heute noch teilweise so, dass ich die Performance durchziehe, obwohl ich keine Lust habe. Dies geschieht vor allem aus meinem eigenen Harmoniebedürfnis heraus, aus meiner Annahme, dass Sex nunmal dazu gehört. Ich habe da selbst soviele Abläufe, Anforderungen und Muster in mir….das ist schwer da raus zu kommen. Der Gedanke, mit Sex Geld zu verdienen…der scheint mir, neben meinen moralischen Bedenken, die sicherlich durch meine Sozialisation konstruiert sind, eigenlich gar nicht so schlecht.

Wobei:
Wir reden ja gerade über Sexarbeit von Frauen an Männern und im Kontext von Misogynität ist das doch schon sehr problematisch, finde ich. Egal, ob ich mir das jetzt für mich vorstellen kann, ist für mich klar: Sexarbeiterinnen dürfen von fundamentalen Rechten nicht ausgeschlossen werden und auch nicht kriminalisiert werden. Diese Forderung teilen wir, oder?

Anna Schwelle: Ja, die teilen wir auf jeden Fall! Und ich teile auch deine Gefühle zu Sex, die du grade geäußert hast. Wobei bei mir die Konsequenz eine ganz andere wäre: Da ich so wenig Spaß an Sex (mit Männern) habe, bzw. nur so selten Lust habe, mit Männern Sex zu haben, kann ich mir genau gar nicht vorstellen, mit Sex Geld zu verdienen. Zumindest nicht in der full-service-Version. Aber ich glaube irgendwie, dass durch die Beschäftigung mit Sexarbeit und mit den rechtlichen und gesellschaftlichen Implikationen von Sexarbeit auch das “private” Sexleben und dessen auch ökonomisierte Aspekte ins Bewusstsein rücken. Also so Fragen wie: Wann habe ich Sex und warum? Mache ich da grad “mit”, weil ich eigentlich irgendwas anderes will, von dem mir das Patriarchat erzählt, dass ich es nur im Austausch gegen Sex bekommen kann?

Di Hia: Da fällt mir ein Gedanke ein, den ich schon länger habe:
Ist eine heterosexuelle Beziehung überhaupt möglich, wenn bereits eine gesellschaftliche Ungleichheit für diese Beziehung vorbestimmt ist. Und diese Ungleicheit sich auch mit ins Schlafzimmer schleicht. Und wie sehr kann ich eigentlich selbst klar haben, weshalb ich mich auf sowas einlasse? Wenn ich ehrlich bin, Sex als Thema schüchtert mich ganz schön ein. Und offensichtlich nicht nur mich.

Anna Schwelle: Ja, ich glaube das geht ja vielen Frauen so: Sex ist schließlich dreckig und schmutzig und als “reines Wesen Frau” dürfen wir darüber nicht reden…. irgendwie spiegelt sich genau das vielleicht auch in diesem Bestreben von Catherine MacKinnons und von Radikalfeministinnen, Sexarbeit als Ganzes zu illegalisieren, ohne überhaupt die Stimmen der Arbeiter*innen selbst zu hören?

Di Hia: Könnte sein ja. Aber eben auch als ganz klares Nein, die Frau als reines Sexobjekt zu manifestieren. Und ich glaube Sexarbeit ist so ein krasses Thema in unserer Gesellschaft, und wir haben da im Grunde null Ahnung von, weil wir eben keine Berührungspunkte mit Sexarbeiterinnen haben. Aber, in dem Moment wo ein Movement, mit dem ich mich identifiziere, Frauen fundamentale Rechte und Teilnahme an Gesellschaft verwehrt….da fühle mich mich als Feministin aufgefordert, meine Solidarität mit Sexarbeiterinnen zu formulieren.
Bzw. Generell meine feministischen Forderungen klar zu haben und keine Reproduktion von Ausschlüssen zu supporten.

Anna Schwelle: Zum Schluss möchte ich noch diesen Link empfehlen, damit dieses Gespräch wenigstens nicht ganz ohne die Stimmen von Sexarbeiter*innen bleibt:

Really, what’s not to love about being paid $200 to tell a man that he’s not good enough to touch me, or $80 for a man to lick me for half an hour?

–Eine Sexarbeiterin über ihre Arbeit, Kommentar Nr. 63

Vulva Heart

Foto of a Graffitti: Red Heart with a Vulva in it on white wall.

Are u with us?
Was sind eure Gedanken zu Sexarbeit und Feminismus?